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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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60. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 305

Hülfe aus Italien, riefen einen einfachen Frontsoldaten, Con-st antin, zum Kaiser aus! Und dieser beschloss nichts Geringeres,als das ganze Weströmische Reich zu unterwerfen! In Gesso-riacum (Boulogne) gelandet, wurde er von ganz Gallien anerkannt, dessenpraefectus praetorio, Limenius, die Flucht nahm. Constantin theiltesein Heer in 4 Theile, schlug die Barbaren in einer grossen Schlacht imLande der Nervier, gab ihnen aber, indem er den Sieg nicht ausnutzteund sie nicht rasch und energisch verfolgte, Gelegenheit sich zu erholen:dann zum Rhein aufbrechend schloss er ein Bündniss mit denjenigenAlemannen, welche sich im heutigen Elsass niedergelassen hatten.

Stilicho entsendete aus Ravenna den Präfekten Sarus mit einemHeere gegen ihn. Anfänglich besiegte Sarus einen der Feldherren Con-stantin's, Justinus, und Hess einen anderen, Nebiogast, der in Unter-handlungen mit ihm trat, umbringen. Dann aber wurde er durch diebeiden anderen Feldherren Constantin's, Edobinc und Gerontius, über dieAlpen zurückgedrängt, und Constantin , welcher sämmtliche Alpenpässebesetzte, schlug zu Arelate (h. Arles) seine Residenz und eine üppigeHofhaltung auf. Da er den Besitz von Spanien als sehr wichtig für sicherkannte, so schickte er im J. 408 seinen Sohn Constantin dorthin,ernannte ihn zum Cäsar, und gab ihm den Gerontius als Leiter, sowieHülfstruppen der Barbaren mit, welche vordem im Dienste des Honoriusgestanden hatten. Die zahlreiche und mächtige Familie des Theodosiusd. Gr. in Hispanien leistete Anfangs Widerstand, wurde aber bald zurUnterwerfung gezwungen. Nun schickte Constantin an Honorius eineGesandtschaft mit dem Verlangen, ihn, Constantin, als Kaiser anzuer-kennen.

Inzwischen war Alarich, der in Epirus vergeblich 3 Jahre auf dieAnkunft Stilicho's mit dem versprochenen Hülfsheere gewartet hatte, beiseinem ehrgeizigen, kriegerischen und unternehmenden Geiste nichtlänger im Stande, die fortgesetzte Unthätigkeit zu ertragen. Er wandtesich zurück, durchzog Dalmatien, drang durch die pannonischen Gebirgenach Noricum und forderte, an der Grenze von Italien angelangt, eineGeldentschädigung für seinen dreijährigen Aufenthalt in Epirus. Stilichoreiste von Ravenna nach Rom, um darüber mit Honorius und dem Senatezu berathen, und setzte es bei ihnen durch, dass Alarich 4000 PfundGoldes erhielt, um welchen Preis er sich ruhig verhielt.

Der Tod des Arcadius und der Regierungsantritt seines Sohnes,Theodosius IL, vereitelte die ehrgeizigen Pläne Stilicho's: von der Er-oberung ganz Illyriens konnte nun keine Rede mehr sein, da Honoriusöffentlich erklärte, er werde Theodosius IL in den ungetheilten Besitzdes ganzen östlichen Reiches setzen, und Stilicho ward mit 4 Legionennach Constantinopel geschickt, um Theodosius dort auf den Thron zu

Galitzin, Allgein. Kriegsgeschichte. 1,5. 20