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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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306 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

setzen. Während aber Honorius von Rom nach Ravenna reiste, bliebStilicho, weil er fürchtete bei längerer Abwesenheit seinen Einfluss aufJenen zu verlieren, unthätig zu Bononia (Bologna) zurück. AlleinOlympius, der sich in das Vertrauen des Honorius einzuschmeichelngewusst hatte, entdeckte diesem die Absichten und Intriguen Stilicho'sund dessen geheimes Einverständniss mit Alarich behufs Thronentsetzungdes Arcadius. Die Folge davon war die Aufreizung des Honorius, desVolkes und der Truppen durch Olympius gegen Stilicho und dessen An-hänger, zuerst wurden diese zu Pavia niedergemacht, dann aber wardauch Stilicho, der nach Ravenna geflohen war, am 23. August 408 ent-hauptet. So endete dieser höchst ehrgeizige, aber auch ungewöhnlichbegabte Staatslenker und Feldherr, die festeste Stütze des WeströmischenReiches, der dieses zwei Mal gerettet, dessen Ehrgeiz ihn aber vom Wegeder Pflicht und Treue gegen Honorius abgebracht, der dann aber hierbeizur Ausführung seiner verbrecherischen Pläne wiederum nicht ent-schlossen genug gehandelt hatte.

§. 423.Letzte Peldzüge Alarieh's (408410).

Während dessen hatte Alarich, da ihm die versprochenen Geldernoch nicht gezahlt worden, von Olympius die Auszahlung dieser Summegefordert, Geiseln angeboten, und versprochen, nach erfolgter Zahlungvon den Grenzen Italiens (Noricum) nach Pannonien abzurücken. Als ei-serne Anträge verworfen sah, beschloss er sofort geraden Weges auf Romzu marschiren (408). Hierin bestärkten ihn besonders die thörichtenMaassnahmen des Olympius, welcher die wichtigsten militärischen Aemteran unfähige und unwürdige Offiziere verlieh und in Italien nicht eineeinzige Legion zurückbehalten hatte, und ebenso sehr auch die, nachden Begriifen der Barbaren, unerlässliche blutige Rache für die Ermor-dung Stilicho's, wie endlich noch ihr Hang zur Plünderung und ihreBeutegier. Gothen, Alanen und andere Stämme der Barbaren, welchebislang die freundschaftlichen Beziehungen zu den Römern aufrecht er-halten hatten, nur widerstrebend allerdings, aber im Zaum gehaltendurch die Achtung oder Furcht vor Stilicho's Feldherrnkunst, botenjetzt dem Alarich ihre Dienste an, indem sie forderten, dass er sie alsRächer nach Italien führe. Alarich ging mit Freuden hierauf ein, forderteseinen Schwager Athaulph, welcher ein starkes Corps von Gothen,Hunnen und Alanen in Pannonien befehligte, auf, ihm nach Italien zufolgen, und zog in Geschwindmärschen, ohne auf Widerstand zu stossen,au Aquileja, Concordia und Altinum vorüber, überschritt, ohne sich mitder Belagerung von Ravenna aufzuhalten, den Po bei Cremona, und er-