60. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 303
er selbst erlitten hatte; indessen behaupteten die Römer das Schlachtfsldund ihre Beute, und Alarich war genöthigt über die Apenninen zurückzu gehen. Stilicho aber, in dessen Händen sich Weib und Kinder Alarich'sbefanden, zwang ihn auf demselben Wege Italien zu verlassen, aufwelchem er hereingezogen war, und folgte ihm auf dem Fusse, um für jeg-lichen Schaden, welchen er dem Lande unterwegs zufügte, sofort Rachezu nehmen, oder eine günstige Gelegenheit abzupassen, wo er ihm eineNiederlage bereiten könate. Bei Verona traf er die Gothen plündernduud griff sie an. Alarich spannte alle Kräfte zur Gegenwehr an undsetzte sich im Kampfe so sehr der Gefahr aus, dass er fast in Gefangen-schaft gerathen wäre. Aber auch Stilicho zeichnete sich durch persön-liche Tapferkeit wie durch geschickte Dispositionen aus, die Gothenwurden geschlagen, Alarich entkam nur Dank der Schnelligkeit seinesPferdes. Er wollte sich durch Rhätien nach Gallien durchschlagen,Stilicho aber liess alle Gebirgspässe besetzen, und Alarich, der sich ineiner starken Stellung festgesetzt hatte, litt bald solchen Hunger, dassdie Gothen in ganzen Haufen zu Stilicho übergingen. Als er sich vonihnen verlassen sah, wandte sich Alarich durch die Berge nach Illyrien,wo er, fest entschlossen an den Römern Rache zu nehmen, ein neuesHeer zu sammeln begann.
Der Schrecken seines Namens nöthigte den Honorius, seine Residenzaus Mediolanum nach Ravenna zu verlegen, in den römischen Legionenaber verursachte er zahlreiche Desertionen. Honorius erliess hiergegenstrenge Gesetze, hob die Gladiatorenkämpfe auf und siedelte aufdringen-des Bitten des Senates auf (3 Monate nach Rom über (-404). Stilicho be-fand sich beständig bei ihm und war darauf bedacht, die Nachfolge aufdem Throne seinem Sohne zu sichern. Zu diesem Zwecke knüpfte erheimliche Unterhandlungen mit Alarich an, welcher Letztere den Arca-dius schwächen, dann aber die abendländischen Provinzen anfallen sollte,damit in der allgemeinen Verwirrung Stilicho dann seine ehrgeizigenPläne durchsetzen könne! Alarich, obgleich von Rachsucht gegen Stilichoentbrannt, fühlte sich dennoch zum Kriege gegen denselben vorläufignoch zu schwach uud gab daher seinen Vorschlägen zunächst Gehör.Honorius nahm ihn in seinen Dienst und übergab ihm die Verwaltung vonWestillyrien.
Im J. 4Ü5 zog Alarich mit einem Gothenheere nach Epirus, wo ei-serne Postenkette längs des Meeres bis Dyrrhachiuni (h. Durazzo) aus-dehnte. Stilicho sollte ihm mit einem römischen Heere folgen, wurde aberdurch einen Einfall des Radagais in Italien aufgehalten. Ueber die grossendem Alarich eingeräumten Vorrechte erzürnt zog nämlich dieser Letzterean der Spitze eines zahlreichen ca. 200,000 Mann starken) Heeres überdie Alpen und verbreitete Schrecken bis selbst nach Rom hin. Stilicho