Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

302 TV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

rius sich dein widersetzten; sie konnten aber Aquileja nicht einnehmenund wandten sich Über die julischen Alpen zurück, um ihre Heere neu zuverstärken.

Nachdem Alarich dies gethan, ein zahlreiches Heer zusammen-gebracht und dasselbe mit Waffen aus den Eisenminen Illyriens vortreff-lich ausgerüstet hatte, zog er im Herbst 401 abermals nach Italien,zu einer Zeit, wo die abendländischen Legionen gerade mit Vertreibungder Germanen aus Rhätien zu thun hatten. Nach Ueberschreitung derjulischen Alpen setzte er theils durch Gewalt, theils durch Bestechungsich in den Besitz vieler Städte, verheerte Venetien und Ligurien undverbreitete in Italien solchen Schrecken, dass viele vornehme Familiensich auf die Inseln Sardinien, Corsica und Sicilien in Sicherheit brachten.Honorius selbst wollte aus Mediolanum nach Gallien flüchten, Stilichoaber, ein Mann von fester Entschlossenheit, hinderte ihn daran, eilte nachRhätien, schloss Frieden mit den Germanen, zog die Cohorten vom Rheinan sich und rückte nun in Geschwindmärschen nach Mediolanum, erselber mit der leichten Reiterei voraus. Alarich hatte schon die Addaüberschritten und sich der Brücken über dieselbe bemächtigt, als StilichoNachts den Fluss in einer Furt überschritt und mit der Avantgarden-Reiterei glücklich Mediolanum erreichte, die Hauptmacht aber warzurückgeblieben und noch nicht heran. Alarich befand sich also zwischenzwei römischen Heeren und knüpfte Unterhandlungen mit Honorius an.Diese hatten zur Folge, dass Honorius dem Alarich nebst seinen GothenLänder jenseits der Alpen zur Ansiedelung überwies, welche Gallien vonItalien trennten, wofür Alarich Frieden zu halten versprach. Schonhatte er den Po überschritten und zog den Alpen zu, als Stilicho. derdurch diesen Vertrag ihn nur zu täuschen beabsichtigt hatte, mit seinemHeere ihm nacheilte, ihn bei Pollentia am Tanaro einholte, und ihn zumKampf zu zwingen beschloss. Um aber von sich den treulosen Bruchdes geschlossenen Vertrages abzuwälzen, übergab er dem Saulus, einemder früheren Feldherrn des Theodosius den Oberbefehl über das Heer.

. Alarich, durchaus keines Angriffes gewärtig, formirte sein Heerschleunigst in Schlachtordnung und wurde durch Saulus mit Umgestümangegriffen. Ein alanisches Hülfscorps in des Letzteren Armee, von denGothen zurückgeworfen, riss in seiner Flucht die römische Reiterei mitfort und schon begann der Sieg sich auf die Seite der Gothen zu neigen,als Saulus mit dem Fussvolk den Kampf wieder herstellte. Nach heftigerGegenwehr wurden die Gothen zum Weichen gebracht und geschlagen,ihr Lager und in demselben Alarich's Familie fiel in die Hände der Römer.Während aber SauTs Soldaten noch das Lager der Gothen plünderten,sammelte Alarich einen Theil seiner zersprengten Truppen, warf sich mitdiesen auf die Römer und brachte ihnen eben solchen Verlust bei, wie