300 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
mer, er erhielt später in der Geschichte den Beinamen »der letzteRömer«.
So beschlossen denn also Stilicho und Rufinus, nur ihre persönlichenZiele, Erlangung der obersten Gewalt im Namen des Honorius resp. desArcadius, im Auge habend und ohne Mitleid mit dem beklagenswerthenZustande beider Reiche. — der Erstere gegen Rufinus zu Felde zuziehen, — der Letztere die Hunnen nach Asien und die Gothen nachEuropa (!) in das Oströmische Reich zu führen.
Hunnen wie Gothen, stets geneigt und bereit zu Plünderung undVerheerung, entsprachen gern und mit Freuden dem Aufrufe des Rufinusund ergossen sich gleich einem reissenden Strome, — die Hunnen überdie römischen und persischen Provinzen in Asien, die Gothen unter An-führung ihres Königs Alarich über Pannonien, Mösien, Thracieu undThessalien nach Europa (395).
Während dessen war Stilicho, nachdem er die Grenzen Galliens ge-sichert, den Seeräubereien der Sachsen und den Einfällen der Picten undScoten in Britannien ein Ende gemacht, und mit den am Rhein wohnen-den germanischen Stämmen Verträge abgeschlossen hatte, an der Spitzeeines starken Heeres gegen Alarich und die Gothen aufgebrochen. Ueberdie julischen Alpen und durch Dalmatien vorrückend, zog er die Truppendes Arcadius unter Befehl des Gothen Gainas an sich und stiess endlichin den Ebenen von Thessalien auf die Gothen Alarich's, welche hier ihrerGewohnheit gemäss seinen Angriff hinter ihrer Wagenburg erwarteten.Vergebens suchte sie Stilicho zu offener Feldschlacht zu bewegen, und schonwar er entschlossen, sie in ihrer Wagenburg anzugreifen, als gerade indiesem Augenblick die Truppen des Gainas durch Arcadius, d. h. Ru-finus, nach Thessalonica zurück berufen wurden. Durch ihren Abzuggeschwächt, sah Stilicho sich gezwungen, den Angriff auf die Gothenaufzugeben und nach Italien zurück zu gehen. Im höchsten Grade aberhierdurch gegen Rufinus erzürnt, rächte er sich an demselben durchGainas, welcher vor seinem Einzüge in Constantinopel dem ihn entgegen-kommenden Rufinus erschlug. Nach dem Abzug des Gainas wie desStilicho durchzog Alarich mit seinen Gothen plündernd und verwüstendohne auf Widerstand zu stossen ganz Griechenland bis zu den äusserstenKüsten des Peloponnes, bemächtigte sich Athens, zerstörte Eleusis. plün-derte Megara, und erstürmte Corinth, Argos und Lacedämon. Arcadiusaber und der an des Rufinus Stelle getretene Eunuch Eutropius wider-setzten sich dem in keiner Weise! Zur selben Zeit plünderten und ver-wüsteten die Hunnen Armenien, Cappaclonien. Cilicien, Syrien und diepersischen Provinzen am linken Tigrisufer auf's Gründlichste
Im Frühjahr 396 setzte Stilicho mit einem Heere zu Schiffe nach demPeloponnes über und besiegte die Gothen in vielen Treffen mit grossem