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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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60. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 299

lischen Einflüsse dieser Kaiser und ihrer hohen persönlichen Begabungzugeschrieben werden, wie dies von allen grossen Feldherren ihrenTruppen gegenüber gilt.

§. 422.Feldzüge des Stilicho und Alarich (395408).

Nach des Theodosius Tode warfen Stilicho wie Rufinus bald dieMaske ab, mit welcher sie das Vertrauen des Theodosius getäuschthatten, und strebten, wenn auch auf verschiedenen Wegen, unverholennach der obersten ungetheilten Gewalt. Für Geld verkauften sie dieStaatsämter und hatten sich bald mit einem zahlreicheren und glänzen-deren Hofe umgeben, als Honorius und Arcadius selbst. Zum Unterhaltedieser Höfe wurden alle Provinzen, auch die bis dahin verschont ge-bliebenen durch Steuern, Abgaben und Erpressungen auf's Aeussersteausgesogen, die Disciplin in den Truppen verfiel von Neuem.

Stilicho hatte kaum sein Ansehen in den Abendländern befestigt, soheschloss er Rufinus zu stürzen, und um sich nach der Seite der germa-nischen Völker im Rücken zu decken erneute er mit denselben die altenVerträge und wollte dann mit einem Heere direct auf Constantinopelrücken!

Rufinus dagegen, der für das beste Mittel zur Wiederherstellung undBefestigung seines Einflusses auf Arcadius die Erregung eines grossenKrieges (!) hielt, hatte insgeheim die jenseits der Donau wohnendenHunnen zu einem Einfall nach Asien über die kaukasische Landenge auf-gereizt (!).

Das waren nach Theodosius d. Gr. Tode die ersten Anfänge jenerPolitik, welche von da an von den in beiden Reichen an der Spitze ste-henden Staatsministern und Feldherrn befolgt wurde, Männer, die, mitAusnahme von A e ti u s, fast alle Barbaren waren, Germanen, Franken,Vandalen, Gothenu. s. w. Diese bis zum Untergange des WeströmischenReiches fortgesetzte und zu demselben hauptsächlich mit beitragende Po-litik bestand darin, dass die angeführten Personen, denen die, haupt-sächlich und schliesslich fast ausnahmslos aus Barbaren bestehende be-waffnete Macht zu vollster Verfügung stand, nicht selber Kaiser sein,sondern nur in unumschränkter Weise und im Namen der macht- undbedeutungslosen Kaiser über das eine oder das andere Reich herrschenwollten. \Solchergestalt waren denn nicht Römer, sondern Barbaren, wieStilicho, Alarich, Ricimer und Odoaker die hauptsächlichstenund hervorragendsten kriegerischen Acteurs während der letzten 70 Jahredes Bestehens des Weströmischen Reiches, Aetius allein war ein-