298 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
theils niedergehauen wurde, theils die Waffen streckte. Eugenius wardvon seinen Truppen an Theodosius ausgeliefert und hingerichtet, Arbo-gast, der sich zur Flucht gewendet hatte, stürzte sich in sein eigenesSchwert, um der Gefangenschaft und Hinrichtung zu entgehen.
So war auch dieser Bürgerkrieg mit einem Schlage gleich zu An-fang durch die geschickten und entscheidenden Operationen des Theodo-sius und dessen Sieg beendet.
Der Letztere, schon den Keim einer tödtlicben Krankheit in sichtragend und die Abnahme seiner Kräfte fühlend. bestimmte seinen11jährigen Sohn Honorius zum Kaiser des Abendlandes unter der Vor-mundschaft und Leitung des Feldherrn Stilicho, eines Vandalen, —seinen 18jährigen Sohn Arcadius hatte er schon vorher zum Kaiserdes östlichen römischen Keiches ernannt, unter Führung des GalliersKufinus. Am 17. Januar starb Theodosius nach 16jähriger, fester,weiser und ruhmreicher Regierung, in staatsmännischer wie in kriegeri-scher Beziehung würdig des Beinamens der Grosse.
Die Historiker und Schriftsteller seiner Zeit klagen einstimmig überdie raschen Fortschritte von Luxus, Ueppigkeit und Sittenverderbniss imrömischen Reiche. In Bezug auf das Kriegswesen waren diese Fort-schritte den römischen Truppen und Heeren bereits verderblich geworden,denn hier herrschte kaum noch ein Schatten der altrömischen Disciplinund Strammheit. Die römischen Soldaten hatten sich mehr und mehrvon den Beschwerden des Kriegsdienstes entwöhnt, ihre Offiziere zeigtendabei eine solche Nachsicht, dass sie schliesslich den Soldaten erlaubten,Helm und Panzer abzulegen. Sogar das kurze Schwert und der Wurf-spiess {pilum) wurden leichter gemacht. Diese Missbräuche nahmenbesonders seit des Gratian Zeit zu, und die römischen Krieger, nichtmehr gegen die sicheren Geschosse der Gothen, Hunnen, Alanen undanderer Völker geschützt, zogen nur ungern und mit Widerstreben zumKampfe gegen sie aus und waren leicht Verwundungen und der Besiegungdurch Jene ausgesetzt. Vergeblich bemühten sich die Nachfolger Gratian'sdie frühere Bewaffnung wieder einzuführen, die römischen Legionare blie-ben bei der leichteren Bewaffnung und wurden immer unfähiger, den nordi-schen Völkern Europas Widerstand zu leisten. Um so grössere Ehregebührt schon Kaisern wie Constantin d. Gr., Julian und Theodosiusd. Gr. dafür, dass sie es verstanden, in den römischen Truppen undHeeren eine strenge Disciplin herzustellen und aufrecht zu erhalten, siedurch Muth, Festigkeit und Tapferkeit zu begeistern und mit ihnen imäusseren wie im inneren Kriege Siege zu erfechten. Und dies kann beider schwierigen und gefahrvollen Lage, in welcher das römische Reichsich damals befand, einzig und allein dem aussergewöhnlichen mora-