290 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiehes.
schlössen, welchem gemäss sie verpflichtet waren, alle ihre junge Mann-schaft in das römische Heer einzustellen , der Rest sollte ungefährdet inseine Heimath entlassen werden. Aber das Halten des gegebenen Wortesund der geschlossenen Verträge galt den Römern schon Nichts mehr; ineiner Schlucht, Cöln gegenüber, legten sie den in ihre Heimath zurück-kehrenden Sachsen einen Hinterhalt. Die übereilte Hastigkeit einigerrömischer Soldaten verrieth dies Versteck, und die tapferen Sachsen, auf-gebracht über solche Treulosigkeit, griffen das römische Corps mit Un-gestüm an und schlugen es in die Flucht. Als aber die Reiterei dem-selben zu Hülfe kam, wurden die Sachsen trotz ihrer verzweifelten Gegen-wehr bis auf den letzten Mann niedergemacht. Dieser schimpflicheBruch des Völkerrechts blieb jedoch nicht allein ungestraft durch Valen-tinian, er wurde sogar noch gleich einem Siege gefeiert.
Dies empörte die Alemannen auf's Tiefste, deren König Macriansogleich Alles zu den Waffen rief. Valentinian , zu dieser Zeit mit derBefestigung der Ufer des Rhein und der Donau beschäftigt, fasste, umhierin nicht gestört zu werden, den Entschluss, die Alemannen in einenKrieg mit den Burgunden zu verwickeln, und zwar unter Benutzung vonStreitigkeiten, welche sich um den Besitz des salzhaltigen Flusses Salazwischen beiden Völkern entsponnen hatten. Die Burgunden gingen aufValentinian's Vorschlag, an den Rhein zu rücken, ein, er selbst ver-sprach zu einer bestimmten Zeit mit einem römischen Heere dort einzu-treffen. In Folge dessen erschienen die Burgunden 80,000 Mann starkam Ufer des Rhein. Diese grosse Stärke, auf welche Valentinian nichtgerechnet hatte, setzte ihn ebenso in Schrecken, wie die Alemannen, —und das versprochene römische Heer erschien nicht! Hierüber aufge-bracht , Hessen die Burgunden ihren Zorn an allen ihnen in die Händefallenden römischen Unterthanen aus, tödteten sie, und kehrten dann inihr Land zurück. Nach ihrem Abzüge erneute Macrian sofort seine Ein-fälle in das römische Gebiet.
Valentinian beschloss, sich seiner in derselben Weise zu entledigen,wie Julian es einst mit dem Könige Vadomar gemacht hatte. Im J. 371brachte er längere Zeit in Trier zu, scheinbar mit Befestigung der Grenzenbeschäftigt, insgeheim aber rüstete er ein grosses Unternehmen aus.Durch Ueberläufer von dem Aufenthaltsorte Macrian's unterrichtet, begaber sich, nur von wenigen Truppen begleitet, nach Mogontiacum (Mainz). "Von hier sendete er den Severus heimlich mit einer Abtheilung leichtenFussvolkes über den Rhein. Unbemerkt drang Severus bis Aquae Mattiacae(h. Wiesbaden) vor, wo Valentinian in der Nacht selber zu ihm stiess.Sogleich marschirten Beide weiter vor, von vertrauten Führern geleitet.Theodosius bildete mit einem Reitercorps die Vorhut. Alle Maassregelnwaren so getroffen, dass Macrian im Schlafe überfallen und aufgehoben