59. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 285
die feste Geschlossenheit ihrer Marschordnung aufzugeben. Sapor selbstwünschte, da er fürchtete, dass Julian in einer der Provinzen überwinternwerde, in Friedensunterhandlungen mit Julian zu treten. Seine Feld-herren aber beschlossen noch einen letzten Versuch zu machen, undgriffen unter dem Schutze eines dichten Nebels die römische Arriere-garde mit überlegener Macht an. In Folge dessen kam es zu einemheissen Kampfe, welcher zu Gunsten der Römer entschieden wurde,unter grossem Verluste auf beiden Seiten. Aber der Triumph der Römerwurde dadurch sehr beeinträchtigt, dass Julian, welcher kurz vorher derHitze wegen seinen Panzer abgelegt und mit seiner gewöhnlichen Tapfer-keit sich in den Kampf geworfen hatte, durch einen Wurfspiess tödtlichin die Brust getroffen wurde. Noch während des. Gefechtes verschlim-merte sich Julian's Zustand so, dass die Aerzte jede Hoffnung verloren.Seine ersten Worte, nachdem er die Besinnung wieder erlangt hatte,waren, dass man ihm Waffen und Pferd geben solle, bald aber fühlte erdas Herrannahen des Todes, trotzdem aber unterhielt er sieh bis zurNacht mit seinen Feldherren und den ihn umgebenden Philosophen mitausserordentlicher Festigkeit, Ruhe und Würde über den ruhmreichenTod im Kampfe mit dem Feinde, und nachdem er sein Testament ge-macht und von Allen Abschied genommen, starb er um Mitternacht zum25. Juni 363.
Dies war das Ende des Lebens und der Thaten dieses ungewöhn-lichen Mannes, Herrschers und Feldherrn, welcher, obgleich vom Christen-thum abgefallen und eifriger heidnischer Philosoph, unzweifelhaft höherstand, als alle römischen Kaiser bis zu Constantin d. Gr. und nament-lich als alle christlichen Kaiser seit Jenem. Er vereinigte in der Thatund unbestreitbar alle hohen Gaben eines durch Kenntnisse bereichertenGeistes mit Willenskraft, Klugheit und Geschick, Muth und Tapferkeit,Wohlwollen und reinen Sitten, welche in höherem oder geringeremMaasse alle grossen Feldherren geziert haben. Gleich jenen Feldherrenhatte auch ihn das Glück, nachdem er anfänglich eine schwere undbittere Schule des Unglücks durchgemacht, dann in seinen Kriegsthatenstets begünstigt, bis es in dem letzten persischen Feldzuge im J. 363nach dem Ueberschreiten des Tigris ihn verliess. Bis zu diesem Zeit-punkte muss man ebenso sehr die Weisheit bei allen seinen Zurüstungenund Anstalten zum Kriege oder Feldzuge, wie alle seine Kriegsthatenwährend desselben bewundern. Nach seinem Uebergange aber über denTigris verliess ihn das Glück in solchem Maasse, dass nach heidnischenBegriffen das unerbittliche Schicksal, nach der einstimmigen Ansichtder christlichen ■ Geschichtsschreiber die Vorsehung selber seinerThätigkeit und seinem Leben ein Ziel setzte, zur Strafe für seine Ab-trünnigkeit.