284 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
wüstete Einöde sich nach der Provinz Corduene zu wenden. Am 16. Junibrach das Heer aus dem Lager bei Noorda auf; kaum war es einige Weg-stunden von dort entfernt, als man in der Ferne mächtige Staubwolkenaufsteigen sah. Julian machte Halt und bezog ein verschanztes Lager,lieber der quälenden Ungewissheit, ob dies Freunde oder Feinde seien,brach die Nacht herein, am folgenden Morgen ergab es sich, dass dasganze zahlreiche Perserheer den Römern gegenüber stand. Es entspannsich ein Reitergefecht, in welchem die Perser trotz ihrer Ueberlegenheitgeschlagen wurden. Nun ging das römische Heer über den Fluss Durusauf einer Flussbrücke, die persische Armee rechts von sich lassend, underreichte die Stadt Barophtas, welche von den Persern zerstört war. Siesetzte ihren Marsch über Hucumbra fort, unter beständigen Kämpfen mitden Persern. Bei Hucumbra wurde 2 Tage geruht, dann ging der Marschzwischen den Städten Danaba und Synea fort. Bei diesem Zuge führtendie Perser einen plötzlichen Ueberfall auf die römische Nachhut aus. Ju-lian stellte durch seine persönliche Tapferkeit die Ordnung bei derselbenwieder her und bestrafte den durch seine Nachlässigkeit daran schuld-habenden Theil der Reiterei dadurch, dass er demselben die Standartennahm und sie unter Bedeckung zu den Fahrzeugen schickte, 4 Tribunenaber setzte er ab.
Am folgenden Tage stiess die römische Armee bei Acceta auf diePerser, gerade als diese mit Verbrennung der Saatfelder beschäftigtwaren. Sie wurden geschlagen und vertrieben, dann bezogen die Römerein Lager bei der Stadt Maranga. Hier kam es zur Schlacht, in welcherdie Perser unter Anführung des erfahrenen Feldherrn Merames und zweierSöhne Sapor's mit Verlust besiegt wurden, was die römischen Kriegermit Stolz und neuem Muthe erfüllte. Aber die Schwere ihrer Waffen unddie grosse Sommerhitze (es war im Juni) machte es ihnen unmöglich, diePerser weit lange und mit Nachdruck zu verfolgen: ausserdem war diepersische Reiterei besonders gefährlich auf der Flucht, weil sie ihrePfeile mit Sicherheit und Kraft auch in raschester Gangart nach allenSeiten zu entsenden verstand. Inzwischen machte sich der Mangel anLebensmitteln mit jedem Tage fühlbarer. Obgleich Julian, der selbstäusserst massig im Essen und Trinken war, alle seine Vorräthe undsogar die der höheren Offiziere an die Truppen vertheilen Hess, so machtedoch eben dies den allgemeinen Mangel nur noch um so fühlbarer, undtrübe Vorahnungen raubten dem Julian die Ruhe und den Schlaf.
Die Perser, welche in mehreren Gefechten Niederlagen erlittenhatten, wagten nicht mehr sich mit dem römischen Fussvolk in einenKampf einzulassen. Wo es aber irgend das Terrain erlaubte, legten sieHinterhalte und überfielen die römischen Truppen während des Marsches,besonders wenn die letzteren beim Passiren an Defileen genöthigt waren,