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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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286 IV. Von Augustus bis znim Untergang des Weströmischen Eeiches.

§ 417.

Kriege und Feldzüge Valentinian's I.

Erster Krieg (366).

Nach dem Tode von Julians Nachfolger, Jovianus, am 26. Fe-bruar 364 bei Nicaea wählte sein Heer am 28. März desselben Jahreseinstimmig den Anführer der zweiten schola oder Compagnie der kaiser-lichen Schildträger-Leibwache, Valentinianus, zum Kaiser, den Sohndes comes oder Grafen Gratianus, der aus Cibalis in Pannonienstammte. Stark und von kräftigem Körperbau, gesundem Verstände,untadelhafter Aufführung, tapfer, kriegserfahren und bei den Truppenbeliebt, besass Valentinian, wenn nicht alle, so doch jedenfalls viele derEigenschaften, welcher zu dieser Zeit für einen römischen Kaiser erfor-derlich waren. Auf Verlangen des Heeres wählte er 30 Tage später(Ende April 364) zum Mitregenten mit dem Titel Augustus seinen BruderValens, welchen er nun die Regierung des östlichen Reiches übertrug,während er sich das westliche mit der Residenz Mediolanuin vorbehielt.

Fast die ganze Regierungszeit Valentinian's I. (364375) verliefunter unaufhörlichen Kriegen mit germanischen, slawischen und anderenVölkern, welche gleich nach Julians Tode erneute furchtbare Einfälle indie Grenzen des römischen Reiches an Rhein und Donau begonnenhatten. Die Alemannen verwüsteten ungestraft Gallien und Rhätien, dieQuaden und Sarmaten Pannonien, die Gothen Thracien, Picten und ScotenBritannien, mauretanische Stämme Afrika. Die Kriege Valentinian'smit diesen Völkern an Rhein und Donau gehören zu den besonders be-merkenswerthen jener Zeit und verdienen hier dargestellt zu werden.

Bis zum J. 366 war Valentinian in Italien mit Angelegenheiten derStaatsregierung beschäftigt. In diesem Jahre schickten die Alemanneneine Gesandtschaft behufs Friedensunterhandlungen nach Mediolanum.Der Staatsminister [magister officiorum) Valentinian's, Ursacius, be-handelte sie mit Geringschätzung und verminderte ausserdem in erheb-lichem Maasse die Geldgeschenke, welche seit langer Zeit die Alemannenvon der römischen Regierung bei der Thronbesteigung jedes Kaisers zuempfangen gewöhnt waren. Um für diese Beschimpfung Rache zu neh-men, erhob sich die ganze waffenfähige Mannschaft der Alemannen, über-schritt den Rhein in grosser Stärke und fiel in Gallien ein, das verheertund ausgesogen wurde. Der comes oder Graf der beiden römischenGermanien (des oberen und unteren) in Gallien, auf dem linken Rhein-ufer, Cha netto, zog seine auserlesensten Truppen zusammen', ver-einigte sich mit dem Grafen Severianus, der mit 2 Cohorten zu Cata-launi (h. Chälons sur Marne) stand, und rückte den Alemannen entgegen;