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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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280 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.

spiel der Festigkeit und Geduld in Ertragung der Beschwerden, Ent-behrungen und Gefahren voranzugehen.

Auf den ersten und hartnäckigen Widerstand stiess er Seitens derbefestigten Stadt Tilhuta. Da er aber seinen Marsch nicht durch einelangwierige Belagerung wollte aufhalten lassen, so zog er weiter in denRaum zwischen Tigris und Euphrat, wo beide Flüsse sich am meistennähern und durch viele Canäle mit einander verbunden sind. Der nächstedieser Canäle wurde durch ein starkes persisches Truppencorps ver-theidigt. Julian trug seiner Avantgarde auf, den Canal oberhalb derPerser zu überschreiten und diese im Rücken anzugreifen, was auch mitsolchem Erfolge ausgeführt wurde, dass ein Theil des persischen Corpsaufgerieben wurde, der andere sich zur Flucht wandte. Darauf konnteJulian ungehindert die übrigen Canäle auf Schiffbrücken überschreiten,und das ganze Land bis zur volkreichen Stadt Perisabora, der wich-tigsten nächst Ctesiphon auf dieser Seite, stand ihm mit einem Schlageauf. Vergebens forderte er diese Stadt zur Uebergabe auf, endlich er-oberte er sie nach dreitägigem Sturme hauptsächlich durch seine persön-liche Tapferkeit und das von ihm gegebene Beispiel.

Am nächsten Tage früh Morgens erhielt Julian die Meldung, derSurenas (persischer Feldherr) habe 3 Cohorten leichter Truppen derVorhut angegriffen, einen Theil derselben sowie einen Tribunen nieder-gemacht und eine Fahne genommen. Sofort eilte Julian, nur von dreienseiner Leibwache begleitet, dorthin und traf seine Avantgarde in vollemSchreck zurückffiehend. Nachdem er sie gesammelt und geordnet hatte,griff er unverzüglich die Perser an, entriss ihnen die weggenommeneFahne und trieb sie zur Flucht. Dann hielt er strenges Gericht über dieFlüchtlinge, 2 Tribunen degradirte er, die ganze Avantgarde Hess er de-cimiren und die vom Loose betroffenen sofort enthaupten. Dieser Vor-fall gab ihm Anlass in kräftiger Rede vor der Armee sie für den bisdahin bewiesenen Muth zu loben, die Feiglinge aber öffentlich zu nennenund zu brandmarken. Hierbei machte er jedem Soldaten, der an der Ein-nahme von Perisabora sich betheiligt hatte, ein Geschenk von 100 Silber-stücken.

Dann setzte die Armee den Vormarsch gegen die (Hauptstadt vonPersien, Ctesiphon, fort, die von den Einwohnern in's Werk gesetztenkünstlichen Ueberschwemmungen des zu durchziehenden Landes ver-mochten nicht sie aufzuhalten. Bei, der grossen und volkreichen StadtMaogamalcha angekommen, liess Julian die Armee halten, recognoscirtedie Lage und die Befestigungen der Stadt, und beschloss sie mit Sturmzu nehmen. Drei Tage nach einander griff er sie mit offener Gewalt an,allein die aus den besten, auserlesensten persischen Truppen bestehendeBesatzung war fest entschlossen, eher unterzugehen, als sich zu ergeben,