59. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 279
Schiffbrücke über den Chaboras, Nebenfluss des Euphrat, die Brückewurde, auf Befehl des Kaisers, nach erfolgtem Uebergange wieder abge-worfen. Jenseits des Chaboras, bereits auf persischem Gebiete, be-geisterte Julian die versammelten Legionen durch das ihnen vorgehalteneBeispiel des unerschütterlichen Muthes und der ruhmreichen Erfolgeihrer Vorfahren, er stellte den Uebermuth der Perser lebhaft dar und for-derte seine Krieger auf, entweder dieses treulose Volk auszurotten, oderdes Kaisers Beispiele folgend im Kampfe gegen die Perser glorreichunterzugehen. Den tiefen Eindruck, welchen seine Beredsamkeit aufdie Truppen gemacht hatte, verstärkte er noch durch ein Geschenk von130 Silberstücken an jeden Mann.
Am folgenden Morgen (schon im April) wurde der Vormarsch nachPersien mit allen kriegerischen Sicherheitsmaassregeln in folgenderOrdnung angetreten- die äusserste Vorhut bildeten 1500 Mann leichterTruppen, ihnen folgte die Hauptmacht in 3 Colonnen. Die mittlere be-stand aus dem besten Fussvolk, Julian selbst befand sich bei ihr. DerPräfekt Nevitta führte die rechte Colonne an dem linken Ufer desEuphrat hinab. Der Präfekt Arinthäus und Hormisdas bildeten mitder Reiterei die linke Colonne, sie marschirte grösstentheils in ebenemoffenem Lande. An der Queue der Armee folgten die Präfekten Da-galaiphus und Secundinus mit der Arrieregarde, das Gepäck desHeeres marschirte zwischen den 3 Colonnen. Um stärker zu erscheinen,waren die Reihen der Truppen so weit auseinandergestellt, dass dieganze Ausdehnung der Armee von der Tete bis zur Queue einen Raumvon 3 Stunden einnahm. Die Flotte hatte Befehl, sich stets in gleicherHöhe mit der Armee zu halten. Als Beweis für die ungemeine Sorg-falt Julian's bezüglich der rechtzeitigen und regelmässigen Versorgungdes Heeres mit Lebensmitteln kann angeführt werden, dass u. A. derPräfekt Sallustius •einen Verpflegungsbeamten am Wege aufknüpfenliess, weil der ihm anvertraute Transport um einen Tag zu spät kam!
Nach viertägigem Marsche in dieser Ordnung durch einen Theil dersyrischen Wüste gelangte die Armee zu der volkreichen Stadt Anatho,welche hauptsächlich durch die Ueberredungskunst des Hormisdas ein-genommen wurde. Julian behandelte die Einwohner mit Güte, versetztesie aber in die syrische Stadt Chalcis, die Stadt Anatho liess er schleifen.
Am nächsten Tage ward das römische Heer von einem heftigen Un-wetter überfallen, ein starker Sturm riss die Zelte im Lager nieder, derEuphrat trat über seine Ufer und zwang das Heer auf den nahegelegenenAnhöhen seine Zuflucht zu suchen. Aber trotz der dadurch herbeige-führten grossen Strapazen entstand im Heere keine Klage, kein Murren,weil Julian es sich zur Pflicht machte, selber als der Erste mit dem Bei-