278 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Kriege kommen, welcher, wie es schien, die Frage der Fortexistenz deseinen von beiden Reichen entscheiden musste, — und zwar aller Wahr-scheinlichkeit nach zu Gunsten des römischen.
Julian entschloss sich zur Eröffnung des Feldzuges möglichst früh-zeitig im Frühling des J. 363, da ihm bekannt war, dass der persischeSoldat nicht im Stande war die Kälte des Winters und des ersten Früh-jahres zu ertragen, während der römische Krieger in allen Klimaten undunter allen Himmelsstrichen zu kämpfen gewöhnt war, bei den Opera-tionen in Asien aber zu Anfang des Frühlings man der Gluthhitze derSommermonate eher entging. Der armenische König A r s a c e s erhieltvon Julian den Befehl, sein Heer bereit zu halten. Gothische Hülfs-truppen wurden in Sold genommen, gleichsam als Bürgen für die Treueihrer Landsleute. Die römischen Truppen endlich wurden angewiesen,aus ihren Cantonnirungen diesseits des Euphrat aufzubrechen und aufdem anderen Ufer die Ankunft Julian's zu erwarten.
Am 5. März des J. 363 brach Julian von Antiochia auf und langteüber Beröa und Batnä in Hieropolis an, das er zum Haupt-Sammel-Platzfür die Armee bestimmt hatte. In dieser nahe am Euphrat gelegenenStadt legte Julian Verpflegungsmagazine für das Heer an und Hess diebenachbarten Araber auffordern, sich an ihn anzuschliessen, wenn sie alsFreunde und nicht als Feinde der Römer angesehen werden wollten. Alsdie ganze Armee beisammen war, überschritt sie ungesäumt denEuphrat auf einer Schiffbrücke, und rückte zu der alten StadtCarrhä, bei welcher einst Crassus von den Parthern geschlagen wordenwar. Bis jetzt hatte Julian seinen Operationsplan Niemandem entdeckt:da aber 2 Strassen aus Carrhä nach dem Osten führten, so handelte essich jetzt um die Wahl, welche von beiden zum Angriff gegen Persieneingeschlagen werden sollte, die zum Euphrat, oder die zum Tigris. Ju-lian wählte den ersteren Weg durch Assyrien. Um aber Mesopotamiengegen Einfälle der Perser zu schützen, entsendete er die PräfektenProcopius und Sebastianus mit 30,000 Mann mit dem Befehle sichan den armenischen König Arsaces anzuschliessen, und wenn Julian indas Innere von Persien vordringe, sich durch Corduene und Medien jen-seits des Tigris wieder mit ihm zu vereinigen. Er selbst ging mit demnoch 65,000 Mann starken Hauptheere nach Callinicum oder Nicephorum,wo er am 27. März eintraf. Eine Flotte von 50 Kriegsschiffen und etwa1000 Lastschiffen segelte unter dem Befehl der Präfekten Constan-tianus und Lucillianus den Euphrat hinab und führte alle für dasHeer erforderlichen Vorräthe an Waffen, Kriegsmaschinen, Brücken,Lebensmitteln u. s. w. mit sich. In Callinicum stiessen die arabischenHülfstruppen zu dem Heere, und nun marschirte Julian zu der letztenrömischen Grenzstadt Circesium. Hier ging das römische Heer auf einer