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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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59. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 277

Germanien sich nicht allein über das ganze römische Reich, sondernweit über dessen Grenzen hinaus verbreitet. Aus Mauretanien, dem cim-merischen Bosporus, Indien, sogar aus vielen bis dahin ganz unbekanntenLändern trafen in Constantinopel Gesandtschaften mit reichen Ge-schenken und Erklärungen der Achtung und Anerkennung ein. Persienallein nahm hieran nicht Theil und bewahrte einen Gleichmuth, der anVerachtung grenzte. An diesem Lande beschloss daher auch Julian,gleich nach Durchführung der wichtigsten Staatsmaassregeln, endlich füreine so wiederholte Beschimpfung der Ehre und der Würde des römischenKaiserreichs Rache zu nehmen.

Durch die Verminderung der Ausgaben für seine Hofhaltung sowiedurch seine klugen Finanzmaassregeln in den Besitz der zum Kriegegegen die Perser nöthigen Geldmittel gelangt, zog Julian im Juni 362 beiConstantinopel ein Heer zusammen und führte dasselbe nach Antiochia.Hier beabsichtigte er den Winter zuzubringen, die Kriegsrüstungen zubeendigen und dann Anfang des Frühlings des nächsten Jahres 363 denFeldzug zu eröffnen. Die Führung der Truppen unter seiner persönlichenobersten Leitung vertraute er dem Hormisdas (von Geburt ein persi-scher Prinz) und dem Victor an, welche sich Beide durch strenge Hand-habung der Disciplin in ihren Truppen auszeichneten. In den westlichenaber und übrigen europäischen Provinzen hatte er seine Regierung mit sofesten Stützen versehen, dass daselbst während seiner Abwesenheit auchnicht die geringste Unordnung vorkam. Selbst die am Rhein und Donauangrenzenden Völker wagten nicht, die Grenzen des Reiches zu über-schreiten.

Sein Marsch von Constantinopel bis Antiochia wurde in den Mo-naten Juli und August des J. 362 über Chalcedon, Nicomedia, Ancyraund Caesarea ausgeführt und währte 2 Monate.

Während dessen hatte Sapor, der schon aus den KriegsrüstungenJulian's ersehen hatte, dass er es mit einem ganz anderen Gegner, alswie Constantius gewesen war, zu thun haben werde, eine Gesandtschaftmit Friedensvorschlägen an ihn geschickt, welche zugleich aber die er-forderlichen Nachrichten und Erkundigungen über die Kräfte und Ab-sichten Julian's einziehen sollte. Dieser aber gab der Gesandtschaft dieErklärung ab, dass er sich inmitten der Ruinen der durch die Perser zer-störten Städte Mesopotamien's niemals auf Friedensunterhandlungen ein-lassen könne, und dass es ausserdem ganz nutzlos sei durch eineGesandtschaft zu verhandeln, da er beabsichtige, den persischen Hofdemnächst in Persien zu besuchen.

So musste es denn zwischen den beiden grössten und mächtigstenReichen der damaligen Zeit, welche von gleich begabten Herrschern undFeldherren regiert wurden, zu einem aussergewöhnlich wichtigen