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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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276 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

besten Truppen nach Antiochia, von wo er den Präfekten Guiomarus miteinem starken Truppencorps zur Verstärkung der Armee nach Thracienschickte. Inmitten seiner Rüstungen zu dem Kriege gegen Julian starber aber am 3. November 361 in der Stadt Mopsucrena nahe bei Tarsus inCilicien.

Nach seinem Tode war Julian nun der alleinige Kaiser des ganzenrömischen Reiches, und entging dadurch dem Bürgerkriege, den er nichtwünschte, sondern fürchtete. Ungesäumt brach er über Philippopel nachHeraclea auf, wo alle von Coustantius gegen ihn bestimmten Truppensich ihm unterstellten, alle Städte ihm ihre Thore öffneten, am 17. De-cember 361 zog er feierlich in Constantinopel ein. Seine erste Handlungdaselbst war die prächtige Bestattung der Leiche des Constantius, dannaber schritt er zur Bestrafuug aller derer, welche das Vertrauen desschwachen und unfähigen Constantius gemissbraucht und sich dadurchden Hass des Volkes zugezogen hatten. Nachdem er den kaiserlichenHofstaat und dessen ungeheuren Unterhalt von fast 10,000 Menschen auf17 herabgesetzt hatte, stellte Julian in seiner Armee wieder eine strengeDisciplin her, denn in des Constantius' Heer hatten sich allmälig derganze Luxus und die ganze Verweichlichung des Orients eingeschlichen:die Offiziere sich auf Kosten der gemeinen Soldaten bereichert, die letz-teren die erschöpften Provinzen noch mehr ausgesogen, und mit dem Ge-horsam und der Subordination war auch der kriegerische Muth erloschen.Durch eine strenge Reinigung der Corps entfernte Julian alle unfähigenund unwürdigen Offiziere, deren Stellen er nur mit Solchen besetzte,welche in langer Dienstzeit ihre soldatische und kriegerische Tüchtigkeitbewährt hatten. Seine beständige Sorgfalt war daraufgerichtet, dassdie Truppen niemals an Bekleidung, Waffen, Besoldung, Unterhalt, wiedie Gesetze es vorschrieben, Mangel litten; alles Ueberflüssige dagegenwurde abgeschafft. Die Soldaten wurden von Neuem an Arbeiten undBeschwerden gewöhnt, und dadurch die militärische Disciplin neu belebtund aufrecht erhalten. Julian selbst gab das beste Beispiel in Einfach-heit des Lebens und Reinheit der Sitten. Er erleichterte die Steuern undAbgaben der Provinzen, zu deren Statthaltern er nur Männer von er-probter Ehrenhaftigkeit einsetzte, über welche er aber ausserdem nochstrenge Controlle hielt. Der Staatsangelegenheiten nahm er sich mit un-ermüdlichem Eifer an, und nach den Worten seines Historikers Ammia-nus Marcellinus besass er gleich Julius Cäsar die Gabe, zu gleicher Zeitschreiben, zuhören, dictiren und Befehle ertheilen zu können. Mit einemWorte,in jeder Beziehung (ausgenommen seinen Abfall vom Christen-thume) kann und muss er mit vollem Rechte den grossen Männern, Herr-schern und Feldherren des Alterthums zugerechnet werden. In letztererHinsicht hatte der Ruhm seiner Kriegsthaten und Siege in Gallien und