Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

272 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

§. 4J3.Dritter Feldzug Julian's (358).

Das von Julian geschützte G-allien bevölkerte sich allmälig wieder,allein durch die unaufhörlichen Verheerungen der Germanen war derAckerbau vernachlässigt und an Getreide Mangel eingetreten. Dies be-wog Julian zu dem Befehle, dass Getreide aus Britannien über die Seeund den Rhein herauf dem Lande zugeführt werde. Constantius hatte denAlemannen eine gewisse Geldsumme geboten, damit sie diesen Getreiden-transporten kein Hinderniss in den Weg legten. Julian aber beschloss anStelle dieses schimpflichen Vertrages mit Waffengewalt einzutreten unddeswegen beide Ufer des Unterrhein von den Saliern, die das linke, undvon den Chamaven, die das rechte Ufer inne hatten, zu reinigen. Zudiesem Zwecke brach er noch vor Ende des Winters (im Februar 358)aus Lutetia nach Aduatuca Tungrorum auf. Hier stiessen Gesandte derSalier auf ihn, er aber fiel, ohne sich in Unterhandlungen mit ihnen ein-zulassen , plötzlich über deren Stammesgenossen her, während Severusam Maasufer hinabzog. . Die Salier, nicht im Stande sich zur Gegen-wehr zu setzen, unterwarfen sich und wurden geschont. Die Chamavenaber wurden so häufig beunruhigt und so geschwächt, dass sie sichgleichfalls zur Unterwerfung verstanden und mit den Römern einen Ver-trag schlössen. Von da an stellten Salier wie Chamaven Hülfstruppenzu den römischen Heeren.

Julian hatte an den Ufern der Mosa drei von den Germanen zerstörteCastelle wieder hergestellt. Hier brachen in seinem Heere Unruhen undein Aufstand aus infolge des Mangels an Lebensmitteln und weil Con-stantius weder Sold auszahlte, noch die Thaten des Heeres anerkannte.Diese gerechten Beschwerden bewogen Julian, den Krieg auf das rechteRheinufer zu übertragen, um dem Mangel an Lebensmitteln abzuhelfen.Mit Erlangung von Proviant stellte sich auch die Disciplin im Heerewieder her, und obgleich Severus durch feiges und treuloses Benehmendie Erfolge Julian's erschwerte, so bewog doch der Schrecken seines Na-mens und seiner Waffen den Suomarus, einen alemannischen König,der zwischen Main und Rhein herrschte, kniefällig bei Julian um Friedenzu bitten, welchen er gegen Auslieferung der Gefangenen und Stellung vonGeiseln auch erhielt. Dann wandte Julianus sicn gegen Hortarius,König eines anderen, die Ufer des Nicer (h. Neckar) bewohnenden,Stammes und zwang auch ihn zur Unterwerfung unter den gleichen Be-dingungen. Auf diese Weise wurden an 20,000 gefangene Gallier ihrenFamilien zurückgegeben, was eine tiefe Dankbarkeit der Gallier gegenJulian erregte; das verheerte Gallien bevölkerte sich auf's Neue und