264 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
statt. denen aber ein von Constantin und Licinius erlassenes Edikt baldein Ende machte. Hierdurch gereizt, beschloss Maximin, den Liciniusunvermuthet zu überfallen. Gerade als der Letztere im Winter 312—313seine Vermählung mit Constantia, der Schwester Constantin's, mit vielemPrunke feierte, hatte Maximin in Bithynien ein Heer von 70,000 Mannzusammengezogen, setzte ohne Widerstand über den Bosporus, eroberteByzanz nach 13tägiger Belagerung und hatte sich bereits Heraclea's be-mächtigt, als Licinius mit einem rasch zusammengerafften nur schwachenHeere ihm entgegeneilte. Bei Adrianopel in Thracien stand er schon ander Spitze von 30,000 Mann, mit welchen er auf der Ebene bei der StadtSerena zwischen Adrianopel und Heraclea dem an Stärke weit über-legenen Maximin eine Schlacht lieferte, und schliesslich einen entschei-denden Sieg über ihn erfocht. Ein grosser Theil von Maximin's Heerwurde niedergemacht, die Uebrigen ergaben sich an Licinius, Maximinselbst floh als Sklave verkleidet nach Nicomedien und von da nachCappadocien, wo er ein neues Heer zu sammeln begann.
Licinius ging nach Bithynien über, erliess ein Edikt, das allgemeineGewissensfreiheit proclamirte, und brach dann gegen Maximin nach Ci-licien auf. Hier hatte Maximin seine besten Truppen zur Vertheidigungder Pässe durch das Taurusgebirge aufgestellt, er selbst war nach Tarsuszurückgegangen. Licinius besiegte die Truppen in den Tauruspässen,worauf Maximin an der Rettung verzweifelnd Gift nahm. Licinius er-klärte ihn noch nach seinem Tode für einen Feind des öffentlichenWohles, Hess seine ganze Familie und alle ihm Anverwandte, gleichwiedie Kinder des Galerius und Severus und die Wittwe und die Tochter desDiocletian unibringen.
Nun blieben im römischen Eeiche nur noch Constantin und Liciniusübrig, von denen jeder offen nach der Alleinherrschaft strebte. Unterdiesen Umständen konnte es an Misshelligkeiten und Anlass zum Kriegezwischen ihnen nicht fehlen, und brach dann wirklich im J. 314 derKrieg aus. Constantin bestand auf einer neuen Theilung des Reiches,Licinius weigerte sich dessen und traf Massregeln zum Schutze seinerneuen Eroberungen im Osten mit bewaffneter Hand. Am 8. August 314kam es bei Cibalis unweit Sirmium und des Einflusses der Drau in dieDonau zwischen Beiden zu einer blutigen und hartnäckigen Schlacht,welche 12 Stunden währte und mit der Niederlage des Licinius und demSiege 'Constantin's endete. Licinius rettete sich nach Sirmium und vonda nach Adrianopel, wo er ein neues Heer zusammenzog. Seine Lagerbei Cibalis und Sirmium fielen in die Hände Constantin's, welcher raschdurch Obermösien und einen Theil von Dacien zog, wo er als Siegerempfangen wurde. Bei Philippopel erschien eine Gesandtschaft von Li-cinius bei ihm mit Friedensanträgen; da aber Constantin als erste Be-