262 IV. Von Auguatus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Thore, und gab damit dem ganzen transpadanisehen Italien (auf demlinken Ufer des Padus oder Po) das Beispiel zum Abfall von Maxentius.Mit Jubel nahmen die Einwohner von Mediolanum (Mailand), der Haupt-stadt dieses Theiles von Italien, sowie die aller übrigen Städte bis Brixia.hin (h. Brescia) Constantin auf. Hier schlug Constantin, der in seinemHeere die strengste Disciplin und Ordnung handhabte, noch ein anderesstarkes Reitercorps und warf es zurück. Dieses Corps floh nach Verona,wo Ruricius Pompejanus, ein Feldherr des Maxentius, ein neuesHeer sammelte, aber den groben Fehler beging, die Uebergänge über denFluss Athesis (h. Adige) nicht mit Truppen zu besetzeu. Dies machteConstantin sich zu Nutze, indem er etwas oberhalb Verona über diesenFluss ging, die Stadt sofort auf dem linken Ufer belagerte und mehrereAusfälle der Belagerten zurückschlug. Ruricius sammelte unter Zurück-lassung einer starken Besatzung in Verona auf dem rechten Ufer desAthesis ein neues Heer, ging dann auf das linke Ufer über und nahm inConstantin's Rücken eine Stellung, um diesen zur Aufhebung der Be-lagerung zu zwingen. Constantin Hess einen Theil seines Heeres zurFortsetzung der Belagerung zurück und wandte sich mit seiner Haupt-macht gegen den an Kräften überlegenen Ruricius, dem er durch seinegeschickten Anordnungen und das Beispiel seiner persönlichen Tapfer-keit eine entscheidende Niederlage beibrachte. Ruricius fiel im Kampfe,seine Truppen wurden theils aufgerieben oder zersprengt, zum grösstenTheil aber zu Gefangenen gemacht, Verona ergab sich. Ihrem Beispielefolgte Aquileja und Mutina (Modena), und auf diese Weise befand sichganz Norditalien in der Gewalt Constantin's, und der Weg nach Romstand ihm offen.
Nun erst raffte der unfähige Maxentius sich aus seiner thörichtenVerblendung und Unthätigkeit auf, nachdem er bis dahin zu Rom nichtallein kriegerisch unthätig, sondern in sinnlichen groben Ausschwei-fungen gelebt hatte. In unklugem Vertrauen auf einen heidnischenOrakelspruch, dass im nächsten Kampfe der Feind Roms zu Grundegehen werde, zog er an der Spitze eines starken Heeres aus Rom und >stellte sich längs des rechten Tiberufers auf, den Fluss und die soge-nannte mulvische Brücke hinter sich. Diese Brücke war so vorbe-reitet, dass die Mitte derselben leicht zusammenstürzen konnte, auf siehoffte Maxentius in seinem Unverstände die Armee des Constantin zulocken und sie dann in der Tiber zu ertränken! Auf solche takti-sche Massregeln verfiel sein Geist, um den Sieg über seinen Gegner zuerlangen! Was er aber dem Letzteren zugedacht hatte, geschah ihmselber, und an ihm, dem Feinde Roms, erfüllte sich die Prophezeiungdes Orakels. In der, im Oktober 312 an der Tiber und der mulvischenBrücke stattfindenden Schlacht schlug Constantin die Armee des Maxen-