59. Die wichtigsten Kriege und Feldzüge der Römer in dieser Periode. 261
dessen schloss der Letztere nicht allein mit Licinius ein kriegspolitischesSchutz- und Trutzbündniss, sondern verband sich auch durch Familien-bande mit ihm , indem er ihm seine Schwester Consta ntia vermählte.Maxentius ging seinerseits ein Bündniss mit Maximin ein; indessennahmen weder Licinius noch Maximin an dem nachfolgenden 17. römi-schen Bürgerkriege zwischen Constantin und Maxentius Theil.
Der Letztere hatte 170,000 Mann Fussvolk und 18,000 Mann Reitereigesammelt und zu deren Verpflegung in Italien grosse Vorräthe aufge-speichert. Constantin formirte seinerseits zwei Armeen; die eine von be-deutender Stärke stellte er in Gallien zum Schutze von dessen Grenzengegen Einfälle der Barbaren auf, mit der anderen, 90,000 Mann zu Fussnnd 8000 Mann zu Pferde (halb so stark wie des Maxentius Heer) bracher im J. 312 aus Gallien nach Italien auf. Die Zahl der Christen im rö-mischen Reiche hatte sich zu dieser Zeit bereits so vermehrt, dass in denbeiderseitigen Heeren viele Christen sich befanden, in dem des Maxentiusnur heimliche, weit öffentlicjier dagegen in dem des Constantinus, dervon seinem sanftmüthigen Vater sowohl die ersten Grundsätze einesrechtschaffenen Lebens , wie die Abwendung vom Heidenthum, die Hin-neigung zum Christenthum und den Schutz der Christen überkommenhatte. Schon im Grunde seines Herzens dem Christenthum zugewandt,ward Constantin gerade in Gallien auf dem Zuge nach Italien durch diewunderbare Erscheinung eines in den Wolken stehenden Kreuzes, aufwelchem die Worte: »Hoc signo vince« flammten, ganz zu dem wahrenGott und zu Christus bekehrt, und nun liess er sogleich seinem Heere daschristliche Kreuzespanier [labarum] voraustragen und auf diesem wie aufden Helmen und Schilden der Soldaten ein /. G. , das Monogramm desNamens Jesus Christus, anbringen. Dies entflammte bei allen christ-lichen Kriegern seines Heeres eine religiöse Begeisterung und spornte siein aussergewöhnlicher Weise durch ganz andere Gefühle an, als jenewaren, durch welche bis dahin die römischen heidnischen Soldaten ange-feuert wurden. Auch war dies von ausserordentlichem Einfluss auf dienachfolgenden Ereignisse in dem Kriege gegen Maxentius, — demersten Kriege eines christlichen Römerheeres gegen einheidnisches.
Den ersten Widerstand erfuhr Constantin von Seiten der Stadt Se-gusio (h. Susa in Pyemont), nachdem er die Alpen überschritten hatte.Die starke Besatzung dieser Stadt wollte Constantin nicht' einlassen;Constantin eroberte sie mit Sturm und zog dann gegen Taurinum oderAugusta Taurmorum (h. Turin). Hier stiess er auf Truppen des Maxen-tius, deren Hauptmacht in einer grossen Zahl von Panzerreitern (Ka-taphrakten) bestand. In blutigem Kampfe besiegte sie Constantin undschlug sie in die Flucht. Augusta Taurinorum öffnete dem Sieger ihre