260 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Tode theilten Constantin, Licinius und Maximin, welche alle drei denTitel Augustus führten, das römische Reich unter sich der Art, dassder Erstere in Gallien, Britannien und Hispanien, Licinius in Illyrien,Thracien, Macedonien und Griechenland, Maximin in allen östlichen Pro-vinzen in Asien und Aegypten herrschte. Italien und Afrika befandensich im Besitz des von ihnen nicht anerkannten Maxentius. Afrikas hattesich der Letztere im J. 311 bemächtigt, nachdem er den Usurpator des-selben , einen gewissen Alexander, gefangen genommen und hinge-richtet hatte, und nun rüstete er sich zum Kriege gegen Constantin unterdem Vorwande, den Tod seines Vaters Maximian an ihm zu rächen. Aberdieser Krieg des verweichlichten, unkriegerischen Tyrannen Maxentius,der weder Kriegserfahrung noch Fähigkeiten besass und von Volk undHeer gehasst wurde, gegen den, kriegerische Gaben mit staatsmännischerWeisheit verbindenden, Constantin, welcher in beständigen Kriegengegen die Germanen grosse Kriegserfahrung gewonnen und seine Truppenan Thätigkeit und Siege gewöhnt hatte, müsste unzweifelhaft mit demUntergange des Maxentius enden.
Es wurde früher erwähnt, dass Constantin im J. 308 die in Gallieneingedrungenen Franken an den Ufern des Rhein's geschlagen und sichdann gegen Maximian nach Südgallien gewendet hatte. Während er 310sich noch in Massilia befand, verbanden sich die Brukterer, Chamaven,Cherusker und andere germanische Stämme zu einer allgemeinen Empö-rung in Gallien. Nach Abrechnung mit Maximian wandte sich Constantingegen sie, schlich sich mit nur zwei vertrauten Personen in ihr Lager,sah und hörte Alles, schlug sie demnächst auf's Haupt, und erhielt undführte seitdem den Beinamen Maximus fder Grosse), welchen die Ge-schichte ihm um seiner Kriegsthaten und namentlich um seiner Staats-einrichtungen willen belassen hat. Gallien verdankte vor allen übrigenrömischen Provinzen ihm sehr viel: zur Hauptstadt machte er Trevirum(Trier), das durch die Barbaren sehr gelitten hatte, von ihm aber neuaufgebaut, erweitert und durch öffentliche Gebäude erheblich verschönertwurde. Auch die von den Barbaren zerstörte Stadt Augustodunum (zuCäsar's Zeit Bibracte, heute Autun) baute er neu auf, sie nahm aus Dank-barkeit gegen ihn den Namen Fla via an (nach einem von seinen Namen,Flavius, den er bis zur Annahme des Christenthums führte). Zugleichführte er auch die Befestigungen der Städte Galliens, vorzüglich desnördlichen und östlichen wieder auf und legte neue, wie auch einzelneVerschanzungen oder stehende feste Lager (Forts, Burgen u. s. w.) längsdes ganzen Rhein an, in die er Besatzungen legte.
Ini J. 311 wurden die von ihm zur Herstellung eines allgemeinenFriedens an Maxentius gerichteten Vorschläge von diesem hochmüthigund in für Constantin beleidigender Weise zurückgewiesen. In Folge