258 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
§. 410.Kriege unter Constantin dem G-rossen (306 —337).
Nach dem Tode des Constantius Chlorus zu Eboracum (h. York) am25. Juli 306, welcher seinen Sohn Cons tantin us zu seinem Nachfolgerbestimmt hatte, riefen die britannischen Legionen diesen zum Augustusaus, während Galerhvs dem Severus zu dieser Würde, den Constan-tin us aber zum Cäsar erannte.
Drei Monate darnach, am 23. Oktober 306. brach in Rom zufolgeder Unzufriedenheit mit der Verlegung der Kaiser-Residenz von dort, derBedrückungen durch Galerius und der Aufhebung der Prätorianer einAufstand aus. Diese Gelegenheit benutzte Maxentius , der Sohn Ma-xi m i a n's und Schwager des Galerius, um sich zum Kaiser zu erheben,wobei auch sein Vater Maximian, der wieder in Rom erschien, denfreiwillig abgelegten Purpur wieder nahm, •und das römische Reich sahwiederum vier Augusti und zwei Cäsaren. zwischen denen ein neuer(der 16.) Bürgerkrieg ausbrach.
Sofort marschirte Severus (im November 306) aus Nord-Italien gegenRom mit einem Heere, das grösstentheils aus früher unter Maximian ge-dienten und diesem noch sehr ergebenen Truppen bestand. Diese gingendeshalb zu Maximian über, Severus floh nach Ravenna und wurde da-selbst von Jenem belagert. Da aber die Belagerung sich in die Längezog und Maximian befürchtete, dass Galerius aus Thracien und Illyriendem Severus Verstärkungen herbeifuhren möchte, so liess er diesemLetzteren antragen, sich auf gewisse Bedingungen zu ergeben. Severusschenkte ihm Glauben, ergab sich, wurde aber auf des Maxentius Befehlgezwungen, sich selbst zu entleiben (April 307). Maximian, der nun dieRache des Galerius fürchtete, schloss ein Bündniss mit Constantinus.
Der Letztere hatte inzwischen gleich nach seiner Ernennung zumKaiser (25. Juni306) sich gegen die Franken gewendet, welche in Gallieneingefallen waren, hatte sie besiegt und zwei ihrer Könige, welche inGefangenschaft geriethen, den wilden Thieren vorwerfen lassen. Dannging er über den Rhein, verheerte das Land der Brukterer mit Feuerund Schwert und behandelte ihre Gefangenen äusserst grausam, in derHoffnung, dass er dadurch für die Zukunft die Germanen von Einfällenin Gallien abhalten werde. Zu grösserem Schutze der Grenzen führte eran den Ufern des Rheins befestigte Lager auf und legte starke Besatzun-gen in dieselben, auf dem Rhein selbst unterhielt er beständig eine zahl-reiche Flotte. Die durch ihn den Brukterern beigebrachte Niederlagemachte auf viele am Rhein wohnenden Stämme der Germanen solchenEindruck, dass sie um Frieden baten und Geiseln stellten.