256 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.
dem Befehl des Präfekten Asclepiodotus, eines erfahrenen undtapferen Feldherrn, der sich schon in den Kriegen des Aurelian undProbus gebildet hatte, in der Mündung der Seine. Alectus schützteseinerseits die Westküste Britanniens durch eine Flotte gegen Constan-tius, eine zweite Flotte stellte er bei der Insel Wight auf. Infolge einesdichten Nebels entgingen indessen beide Flotten des Constantius derWachsamkeit der Flotten des Alectus und landeten glücklich an denbritannischen Küsten, Constantius allerdings etwas später als Asclepio-dotus. Um seine Truppen zu zwingen, alle ihre Hoffnung auf den Siegzusetzen, verbrannte der Letztere seine Flotte. Alectus, der sein Heerbei Londinum (London) zusammengezogen, hatte dadurch die Küstenihres Schutzes entblösst, er wnrde zu Lande in offener Feldschlacht be-siegt, suchte sich durch die Flucht zu retten, wurde aber eingeholt undniedergemacht. Sein grösstentheils aus Barbaren bestehendes Heer warbald zerstreut, Londinum durch einen Theil der Flotte des Constantiusvor Plünderung bewahrt. Durch diesen einen entscheidenden Schlag warBritannien aufs Neue der römischen Herrschaft zurückerobert, ausserdemaber auch die Herrschaft der Bömer auf der Nordsee befestigt, welchesMeer nun von den Seeräubern befreit wurde, die nicht mehr im Standewaren, den an Macht überlegenen siegreichen römischen Flotten Wider-stand zu leisten. Constantius behandelte die unterworfenen Britannierglimpflich, machte allen den Bedrückungen ein Ende, mit welchen Ca-rausius und Alectus sie gequält, und stellte durch verständige Gesetze(301) Ruhe und Ordnung in Britannien dauernd wieder her; dann ver-trieb er (302) die Franken und Alemannen aus Gallien.
Inzwischen hatte Diocletian nach Aurelian's Beispiel im J. 296 dieunruhigen Carpier nach Pannonien verpflanzt und den Usurpator desPurpurs AchiIleus in Ae'gypten gestürzt. Nach achtmonatlicher Be-lagerung desselben in Alexandria nahm er diese Stadt ein, Achilleus ge-rieth in Gefangenschaft, — die Stadt wurde zur Strafe den Truppen zurPlünderung überlassen, Achilleus hingerichtet. Zwei andere aufrühre-rische Städte in Aegypten, Busiris und Coptos. wurden erobert und zer-stört. Bei diesen Kriegsoperationen in Aegypten begleitete den Diocletiander junge Sohn des Constantius Chlorus, Constantinus, der sich beivielen Gelegenheiten auszeichnete.
Endlich hatte auch Maximian im J. 297 den Stamm der Quinque-gentii und die Mauretanier in Afrika mit Glück bekämpft und den Usur-pator J u 1 i a n ü s vernichtet.
Während aber Diocletian noch mit der Unterwerfung Aegyptens zuthun hatte, gelang es dem persischen Könige N a r s e s, der schon seit294 seine Herrschaft durch Eroberung von römischen Provinzen zu er-weitern strebte, sich eines Theiles von Armenien zu bemächtigen. Dio-