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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Körner während dieser Periode. 251

und nur in Italien und denjenigen Provinzen Krieg führte, in welchenRicimer kommandirte. Der Letztere hatte sich bald selbst von der Un-möglichkeit dieser Situation überzeugt, er entthronte daher im J. 465 denSeverus, und trug die Würde und den Titel des Weströmischen Kai-sers dem Oströmischen Kaiser Leo I. an, welcher den Schwager desMarcianus, Anthemius, damit bekleidete. Dieser Letztere wurde imJ. 467 in Italien mit um so grösserem Entzücken aufgenommen, als ermit einem Heere und wohlgefüllter Kasse kam. Um ein gutes Einver-nehmen mit Ricimer herzustellen, vermählte Anthemius diesem seineTochter, und beide Höfe, der abendländische wie der oströmische,schmie'deten wieder neue Pläne, den Vandalen Afrika zu entreissen. Sierüsteten zu dem Ende ein zahlreiches Heer und Flotte aus, ihr Unter-nehmen blieb aber wieder erfolglos, in Folge der Untauglichkeit ihresFlottenbefehlshabers Basiliscus. Dieser hatte sich mit Geiserich inUnterhandlungen eingelassen und zog diese so lange hin, bis Geiserich,der nur auf günstige Winde gewartet hatte, die römische Flotte mit seinenBrandschiffen überfiel und sie auf's Neue in Brand steckte. Die Folgedavon war, dass die Vandalen sich auch Sicilien's bemächtigten, unddass Italien, eine Provinz nach der anderen verlierend, immer mehr aufseine Grenzen allein zusammenschmolz. Hierzu kamen nun noch dieoffenen Zwistigkeiten und dann sogar Kriege zwischen Anthemius undRicimer. Der Letztere belagerte, nachdem er den Senator Olybrius,zum Kaiser erwählt hatte, der mit Placidia, der Tochter Valenti-nian'sIIL, verheirathet war, den Anthemius in Rom. Anthemius ver-theidigte sich daselbst 3 Monate lang, dann aber wurde Rom von Ricimererstürmt und den Truppen zur Plünderung überlassen, welche allefrüheren an Schrecklichkeit übertraf, we.il Rom nicht nur mit Feuer undSchwert verwüstet, sondern auch von einer Seuche verheert wurde. An-themius wurde gefangen genommen und getödtet, Ricimer erlag derSeuche am 20. August 472. Olybrius setzte an seine Stelle seinen Ver-wandten, den burgundischen Grafen Gundobaldus, der nach desOlybrius Tode, am 23. Oktober desselben Jahres, seinerseits einen ganzunbekannten Mann Glycerius-zum Kaiser proklamirte. Um dieselbeZeit aber hatte der morgenländische Hof einen Verwandten der KaiserinVerrina, Julius Nepos, zum Kaiser des Abendlandes gemacht.Zwischen diesem und Glycerius würde ein Krieg entbrannt sein, wennnicht Gundobald bei Gelegenheit des Todes seines Vaters genöthigt ge-wesen wäre aus Italien nach Burgund zurückzukehren. A 7 on seinen An-hängern in Italien verlassen, unterwarf Glycerius sich dem Nepos,welcher im Mai 474 daselbst eintraf, und erhielt einen Bischofsstuhl.Allein Nepos konnte nirgends Jemanden finden, der gleich Ricimer undGundobald durch sein Ansehen bei den Barbaren Macht und Gehorsam