58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Römer während dieser Periode. 249
Wien bis Sirmium (dem li. Belgrad), andere Stämme in den übrigenTb.eilen der illyrischen Präfektur.
Den weitaus grössten Vortheil aus dem Falle des lmnniscben Reichesgewann das Oströmische Reich. Es war gleichartiger in seiner Zusam-mensetzung, als das Weströmische, wo die Germanen schon ein ent-schiedenes Uebergewicht erlangt hatten. Deshalb konnte das Erstereunter Marcianus und dessen Nachfolger Leo I. wieder neu erstarken,während das Letztere rasch seinem Untergange zu eilte, noch beschleunigtdadurch, dass Valentinian den Aetius tödtete, den Beschützer und Erretterdes Westreiches, der auch wohl der letzte Römer genannt wird. Nachdem Tode seiner Mutter Placidia im J. 450 regierte Valentinian allein,und da er die Stellung des Aetius zu drückend und gefährlich für sichselber hielt, so gab er den Einflüsterungen des Eunuchen Heraclianus(oder Heraclius) und anderer Höflinge Gehör, welche den Aetius grimmighassten, und beschimpfte sich selbst, indem er treuloser und unwürdigerWeise den Letzteren mit eigener Hand in dem Zimmer seines eigenenPalastes ermordet, wonach dann auch alle Freunde des Aetius dasselbeSchicksal erfuhren. Dies erregte allgemeine Unzufriedenheit, bei denam Leben gebliebenen Anhängern des Aetius, bei den Barbaren aber denDrang nach Rache. Zu diesem Zwecke verbündeten sich Aetius' An-hänger mit dem römischen Senator Petronius Maximus, dessen WeibValentinian geschändet hatte, und am 16. März 455 ermordeten sie denLetzteren und mit ihm seinen Neffen Heraclianus auf dem Marsfelde.
Mit dem Tode Valentinian's III. erlosch das Geschlecht des Theodo-sius d. Gr., und den schon halb zerbrochenen Thron des WeströmischenReiches bestieg Petronius Maximus. der aber nur 3 Monate regierte.Eudoxia, die Wittwe Valentinian's, gewaltsam gedrängt, sich mit Ma-ximus , dem Mörder ihres Gatten, zu vermählen, wandte sich mit derBitte um Hülfe an Geiser ich, den König der Vandalen. Dieser schifftedie Vandalen und Mauren auf alle Schiffe und Kähne ein, die er zusam-menbringen konnte, im Juni 455 fuhr er mit ihnen in die Tiber ein. Beimersten Alarm wollte Maximus sich durch die Flucht retten, wurde aberdurch Soldaten und Volk umgebracht, und die bestürzten Einwohnerschickten aus Rom dem Geiserich denselben römischen Papst Leo d. Gr.entgegen, der schon Attila zur Schonung Roms bewegt hatte. Geiserich liesssich aber nur soweit erweichen, dass eine regelmässige Plünderungder Stadt ohne Ermordungen und Feuerbrünste stattfindensolle. Diese regelmässige Plünderung dauerte 14 Tage, Vandalenwie Mauren luden eine unermessliche Beute und colossale Reichthümerauf ihre Schiffe, darunter die seltensten Erzeugnisse der Künste, undschleppten ausserdem eine Menge Gefangene, grösstentheils aus den