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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Römer während dieser Periode. 247

welche in dem Wunsche, einem ernsten Zwiste am Hofe ihres Bruderszu entgehen, dem Attila ihre Hand angeboten hatte. Attila forderte nundie Hand der Honoria nebst einer angemessenen Mitgift, und da er eineabschlägige Antwort erhielt, drang er im J. 451 mit seiner gesammtenMacht in das römische (Nord-) Gallien ein. Alle Stämme, die an demWege dahin wohnten, wurden gezwungen seine Macht anzuerkennen undzu seinem Heere zu stossen : Gepiden und Ostgothen unter ihren KönigenArdarich und Valamir, Rugier, Gelonen, Skirren, Burgundionen,Bellonoti, Neurii, Bastarnen, Thuringier und andere germanische undslawische Stämme. Diese colossalen und furchtbaren Massen bauten aufder ganzen Rheinstrecke vom heutigen Colmar bis Mastrich Transport-schiffe, überschritten damit Rhein und Maas, überschwemmten, da siekeinen Widerstand fanden, das ganze Land bis zur Loire, und belagertenOrleans.

Inzwischen hatte Aetius die Westgothen und die übrigen im römi-schen Gebiete sich befindenden Barbaren mit grossem Eifer in den Waffengeübt, und eilte Orleans zu Hülfe. Bei seinem Herannahen hob Attiladie Belagerung auf und ging bis auf die catalaunischen Felderzurück {Campi Catalaunici, die Ebene von Chälons in der Champagne),welche ihm die grössten Vortheile für die Verwendung seiner zahlreichenReiterei bot. Aetius folgte ihm dorthin nach und besetzte bei Muriunweit des heutigen Troyes eine ausgedehnte Anhöhe, welche die Ebenebeherrschte. Die hier entbrennende Schlacht war eine der furchtbarstenund blutigsten der ganzen Geschichte und endete nicht zum VortheileAttik's. Vergeblich waren die Anstrengungen der Hunnen, die Reihendes Aetius zu durchbrechen, bald begannen sie in Unordnung zurück-zugehen, und nun drangen die Westgothen heftig gegen sie an. DerKönig der Letzteren, Theodorich, wurde getödtet, sie bemerkten diesaber nicbt eher, als nachdem sie schon die Hunnen genöthigt hatten,Schutz hinter der Wagenburg zu suchen, welche sie um ihr Lager ge-baut hatten. Aetius wagte nicht einen entscheidenden Angriff auf diesezu unternehmen, er legte im Gegentheil dem ruhigen Rückzuge derHunnen über den Rhein nicht das geringste Hinderniss in den Weg.Obgleich das nördliche römische Gallien hierbei furchtbar verwüstetwurde, so war es doch auch durch Aetius vor der Unterwerfung durchdie Hunnen gerettet.

Attila gab jedoch seinen Plan des Angriffs auf das römische Reichnoch nicht auf, sondern wählte nur eine andere Richtung und fiel imJ. 452 in Italien ein. Da Aetius, der dies augenscheinlich durchaus nicht.erwartet hatte, keinerlei Maassregeln zur Besetzung der Pässe in denjulianischen Alpen ergriffen hatte, so ergossen sich die Hunnen nach der