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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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246 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Dalmatien und Norieum durch Valentinian III. im J. 437 an das Ost-römische Keich abgetreten worden, als Lösegeld für seine GemahlinEudoxia. Es blieben somit nur noch übrig Italien, Khätien und Vindeli-cium. Im südöstlichen Gallien hatte sich im J. 435 das burgundischeKönigreich gebildet, welches alle Länder bis zur Rhone und Saone, Hel-vetien und das heutige Savoyen umfasste; im südwestlichen Gallien(Aquitanien) das Königreich der Westgothen, und.nur Nordgallien, nörd-lich der Loire, war noch unter der Verwaltung römischer Statthalter ge-blieben (deren Letzter, Siagrius, 496 in der Schlacht bei Soissonsdurch den Frankenkönig Chlodwig erschlagen wurde).

Und zu dieser selben Zeit fingen die Hunnen, nachdem sie dasKönigreich der Gothen in Osteuropa zertrümmert hatten, in einzelnenHorden an, in die Donauprovinzen des römischen Eeiches einzudringen,liessen sich in Pannonien nieder, unterhielten freundschaftliche Be-ziehungen zu Aetius, uud zwangen im J. 441 unter Anführung der beidenBrüder Attila und Bleda, Söhne Munzuk's, den Theodosius IL zueinem schimpflichen Frieden und Zahlung doppelter Steuer. In den fol-genden 4 Jahren (442445) wurden alle hunnischen Stämme, ebensowie die zwischen ihnen wohnenden germanischen, slawischen und frem-den, gezwungen, sich dem Attila und Bleda zu unterwerfen. Der Erstereaber brachte im J. 445 den Letzteren um und bildete das grosse undmächtige Königreich der Hunnen, dessen Mittelpunkt und Königs-residenz Attila's die weite hölzerne »Stadt Attila's« auf der Ebenezwischen Donau, Theiss und Karpathen war. Von hier aus bedrängteAttila das Oströmische Reich mehr und mehr und bewog durch denblossen Schrecken seines Namens den schwachen Theodosius IL zurZahlung von Geldern und Geschenken, um nur jeden Vorwand zu einemBruche mit den Hunnen zu vermeiden. Aber nach Theodosius' IL Todeim J. 350 ging seine Schwester und Nachfolgerin, Pulcheria, eine Ehemit dem Senator Marcianus ein und Hess ihn zum Kaiser ausrufen.Marcianus, der mit Auszeichnung alle Stufen der höchsten Civil- undMilitärverwaltungen durchlaufen hatte, vermochte die Würde des Eeichesaufrecht zu erhalten und die sklavische Unterwürfigkeit gegen die Hunnenzu beseitigen. Von dieser Zeit an Hess Attila das Oströmische Keich inRuhe und wandte sich gegen das Weströmische. Zum Angriff gegendieses wurde er einerseits durch den Vandalenkönig Geis er ich be-wegt, der für seine Besitzungen in Afrika fürchtete, andererseits gab denAnstoss dazu die Feindschaft zweier fränkischen Fürsten, von welchender eine sich mit der Bitte um Hülfe an die Römer, der andere sich andie Hunnen gewendet hatte. Attila, entschlossen mit den Waffen in derHand die Interessen seiner Verbündeten zu verfechten, erklärte sichgleichzeitig zum Beschützer der Honoria, Schwester Valentinian's III.,