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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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244 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Nach dem Tode des Arcadius im J. 408 folgte demselben sein sieben-jähriger Sohn Theodoshis II. unter Vormundschaft des PräfektenAnthimins, welcher bis 414 weise regierte, und von da an ebenso dieSchwester des Theodosius, Pulcheria. Das Oströmische Eeich warerheblich erstarkt und konnte entscheidend in die Angelegenheiten desWestlichen Reiches sich einmischen, als nach des Honorius Tode imJ. 423 der Thron auf den minderjährigen Sohn des Constantius und derPlacidia, Valentinian III. überging und zu gleicher Zeit ein andererThronprätendent erschien, aus folgenden Gründen:

Bei den Beziehungen, welche während der Regierung des Honoriussich in dem Militärstande entwickelt hatten, verlor die Person des Kaisersin demselben Maasse an Ansehen, wie die des Feldherrn an Bedeutunggewann. Die obersten Truppenführer standen ziemlich unabhängig vomKaiser da, weil die durch sie aus Barbaren geworbenen Truppen mehrvon ihnen, als von der Regierung abhingen. Die Hervorragendsten unterihnen waren zu dieser Zeit im westlichenReicheBonifacius in Afrika undCastinus in Italien, die sich gegenseitig hassten. Da aber Bonifaciusbei Placidia in besonderer Gunst stand, so empörte sich Castinus gegendie Letztere und gegen Valentinian, und auf seine Seite trat der Feld-herr Aetius, der bei den Barbaren allgemein bekannt und geachtet warund in gleichmässig freundlichen Beziehungen zu Gothen wie Hunnenstand. Nach dem Tode des Honorius hatten Castinus und Aetius alsbalddessen Staatsminister (Geheimschreiber) Johann mit dem Purpur be-kleidet. Der Letztere erkühnte sich, an den oströmischen Hof eine Ge-sandtschaft mit der Nachricht von seiner Thronbesteigung zu schicken.Aber Theodosius II. beschloss, mit Gewalt der Waffen das Recht seinesVetters Valentinian III. an den Thron zu vertheidigen. Im J. 425 brachenseine Feldherren, von denen Ardaburius die Flotte, und dessen SohnAspar das Landheer befehligte (bei welchem sich auch Placidia undValentinian befanden) nach Westen hin auf. Während Aspar die StadtSalonia eroberte und Aquileja belagerte, gerieth Ardabur mit seinerAdmiralsgaleere mitten in die feindliche Flotte, und wurde gefangen ge-nommen. Aber nach Ravenna gebracht, wo Johann residirte, wusste erdessen Truppen zu bestechen und machte dem Aspar einen für einenplötzlichen Ueberfall von Ravenna geeigneten Punkt kund. Unter Be-nutzung dieser Umstände gelang es dem Aspar in Ravenna einzudringenund den Johann in seine Gewalt zu bringen, welcher dann auch hinge-richtet wurde. Aetius hatte indessen ein Heer, grösstentheils aus Hunnenbestehend, zusammengebracht, traf aber erst nach dem Tode Johann'svor Ravenna ein und bot nun, da er das von ihm gesammelte Heer zuseiner Verfügung hatte, seine Dienste der Placidia an, welche dies An-erbieten annahm, um ihn nicht zum Gegner zu haben, und ihn sogar zum