Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Körner während dieser Periode. 243

dalen unter Gunderich zuerst im h. Castilien, dann im h. Andalusien.Athaulph zog mit seinen Gothen aus Gallien nach Hispanien, sie zu be-kämpfen, er gelangte aber nur bis zu dem beutigen Barcelona, wo er imJ. 415 als ein Opfer der blutigen Rache für die Ermordung des altenFeindes seines Geschlechtes , Sarus, durch dessen Freunde umgebrachtwurde, welche dann des Letzteren Bruder Sigerich zum König derWestgothen ausriefen. Sein unwürdiges Verhalten aber gegen die Fa-milie Athaulph's und gegen Placidia selbst erregte den Unwillen derGothen, und nach 7 Tagen tödteten sie ihn und ernannten an seiner Stattden Wallia zum König. Dieser gab die Placidia an Honorius zurück,der sie mit Constantius vermählte, und denselben von einer Würde zurandern erhob, um diesen getreuen Feldherrn immer fester an sich zufesseln, uud endlich im J. 421 ihn zum Augnstus und seinem Mitregentenernannte. Wallia erneuerte gleichfalls mit Honorius den Vertrag, wonachdie Gothen demselben- das von den Barbaren eingenommene Hispanienzurückerobern und dafür Ländereien in Aquitanien zur Niederlassungerhalten sollten, was denn auch von beiden Seiten zur Ausführung kam.Mit Ausnahme von Gallizien, wo sich die Sueven behaupteten, und vonSüdportugal, wo die Vandalen und Alanen sich hielten, unterwarfen von411418 die Gothen das gesammte übrige Hispanien und gaben es anHonorius zurück; zur Belohnung dafür erhielten sie Ländereien in 'Aqui-tanien und Hessen sich daselbst nieder, ihr König verlegte seine Residenznach Toulouse. So hatten binnen 43 Jahren die Westgothen und mitihnen die Alanen von Dacien und nachher Thracien an der Donau ausallmälig das ganze römische Reich bis nach Aquitanien in Gallien durch-zogen. Fast gleichzeitig mit ihnen wurden auch einem anderen germa-nischen Stamme, den Burgundionen, Ländereien überwiesen, und nachihrem Namen erhielt die von ihnen bewohnte Provinz in der Folge dieBezeichnung Burgund (Bourgogne).

Nun wurde das ganze Weströmische Reich in der ganzen Ausdeh-nung von der Donaumündung bis zur äussersten Spitze von Hispanientheils eingeschlossen, theils durchschnitten von einer ganzen Reihe vongermanischen und slawischen Völkern, welche seine Verbindung mit dennördlich dieser Linie gelegenen römischen Provinzen vollkommen unter-brachen. Die Britten und die Amoriker an den Nordwestküsten Galliensfielen ab und erklärten sich für unabhängig. Die Anführer der in denrömischen Provinzen angesiedelten Barbaren erkannten die höchste Ge-walt der römischen Imperatoren an, indem sie die Titel der römischenWürden und Aemter annahmen und führten und es sich zur Ehre rech-neten socii (Bundesgenossen) und hospites (Gäste) der Römer genanntzu werden. Während dessen erfreute das Oströmische Reich, im Ver-gleich zu den Unruhen, welche das Westreich bewegten, sich der Ruhe.

16*