58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Körner während dieser Periode. 241
wie der fremden Truppen auszunutzen, klagte den Stilicho des Strebensnach dem Throne an und führte endlich am 23. August 408 seine Hin-richtung , sowie die seines Sohnes Eucherius und aller seiner Freundeherbei. Damit war dem Weströmischen Keiche der einzige Feldherr ge-nommen, der es noch zu beschützen vermocht, der die grosse Energieund Befähigung besessen hatte, sowohl die bürgerlichen als die militäri-schen Angelegenheiten zu leiten, und der dem Staate unzweifelhafte undwichtige Dienste geleistet hatte.
Die Folgen traten sofort zu Tage; Gothen, Alanen und andere Bar-baren , bis dahin durch den Respekt oder die Furcht vor Stilicho's krie-gerischen Gaben im Zaum gehalten, jetzt aber von Durst nach, den Be-griffen der Germanen gemäss, unerlässlicher blutiger Rache und vonBeutegier getrieben, erhoben sich gegen Honorius und Olympius, undfielen unter Alarich's Führung in Italien ein. Alarich fand dies Landvon allem Schutz entblösst, ohne Truppen, er gelangte ohne Widerstandbis Ravenna, zog aber ohne mit dessen Belagerung Zeit zu verlieren,geradeswegs auf Rom los, um von dort aus seine Befehle zu ertheilen.Rom war in keiner Weise gegen eine Belagerung gerüstet; als Alarich eseinschloss und ihm alle Zufuhren abschnitt, brach in der Stadt einefurchtbare Hungersnota aus, so dass, wie Zosimas sagt, der Pöbel dieErlaubniss forderte, Kinderfleisch zu verkaufen! Der römischeSenat war daher gezwungen, mit Alarich in Unterhandlungen einzutretenund sich durch eine bedeutende Geldsumme von der Belagerung loszu-kaufen. Zu Ende des J. 408 ging Alarich nach Thuscien zurück, bezogdaselbst Winterquartiere, verstärkte sich durch Heranziehung einergrossen Anzahl neuer Gothen, Hunnen und anderer Barbaren und führtemit Honorius Unterhandlungen, welche seine (des Alarich) Ernennungzum magister utriusqae militiae (Befehlshaber der gesammten Streitmacht)bezweckten. Da aber Honorius hierauf durchaus nicht eingehen wollte,so veranlasste Alarich die Bewohner Roms, den Präfekten der Stadt,Attalus, zum Kaiser auszurufen,, und erhielt nun von diesem den Rangdes magistri utriusque militiae , für seinen Schwager Athaulph aber deneines comes dömesticorum (Befehlshaber der Garden). Da dies aber denStolz und die Abneigung des Honorius nicht verringerte, so stürzteAlarich den Attalus und zog im J. 410 zum dritten Male nach Rom. DieEinwohner hatten sich zwar zum Widerstände gerüstet, das half ihnenaber Nichts: in der Nacht auf den 24. August" wurde die porta Salarianaden Gothen geöffnet, und nun drangen Alarich's Truppen in Rom ein,plünderten drei Tage lang Alles (mit Ausnahme der Kirchen) und rich-teten ein schreckliches Blutbad an. Eine Menge der Einwohner von Romoder Italien, und darunter die edelsten und vornehmsten, flohen, allesihres Besitzthums beraubt, nach Afrika und Asien, ja bis nach Jerusalem.
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,5. 16