240 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
in demselben Jahre noch wurden sie zum zweiten Male bei Verona ge-schlagen. Dann ging Stilicho, der den Alarich nun die Ueberlegenheitseiner Kräfte hatte fühlen lassen, auf seine Forderungen ein und übergabihm die Regierung des westlichen Theiles der illyrischen Präfektur, er-regte aber dadurch in Italien das grösste Missfallen und ein heftigesMisstrauen in seine Treue und gegen seine ehrgeizigen Pläne, obgleicher nur die Absicht hatte, dem westlichen Reiche Sicherheit und grössereFestigkeit zu schaffen.
Kaum war jedoch die von Alarich's Seite drohende Gefahr abge-wendet, da erschienen im J. 405 zahlreiche Horden verschiedener ger-manischer Völker, angeführt von dem Gothen Radagais, unter dessenBefehle 1200 Edle mit ihren reisigen Schaaren standen, an der Nordost-grenze des Westreiches und verlangten Eintritt in den römischen Dienstunter denselben Bedingungen, wie Alarich's Gothen. Stilicho wollteihnen nicht erlauben, die Grenze zu überschreiten, war aber nicht starkgenug, ihren Einfall über die rhätischen Alpen (h. Graubündten undTyrol) in Italien und ihre Verheerung von ganz Norditalien zu verhindern,bis er die Kräfte dazu in den Apenninen zusammengebracht hatte. Dannaber verstand er durch geschickte Märsche und Operationen die Ger-manen so einzuschliessen und einzudrängen, dass sie theilweis durchHunger oder das Schwert umkamen, theils sich zu ergeben gezwungenwaren. Radagais selber wurde gefangen genommen und enthauptet, mitden übrigen Gefangenen füllte Stilicho die Lücken in seinen Legionenaus. Aber statt des Dankes für seine zweimalige Errettung Italienserntete er den ungerechtesten Undank und Argwohn, und zwar deshalb,weil, während er Italien beschützte, Gallien und Hispanien eine Beuteder Barbaren geworden waren ^Vestgothen, Vandalen, Alanen), in Bri-tannnien aber Constantin den Purpur usurpirte, nachdem die britanni-schen Legionen ihn zum Kaiser ausgerufen hatten. Dieser Constantinsetzte nach Gallien über, warf den gegen ihn geschickten gothischenPräfekten Sarus zurück, nahm Gallien in Besitz, vertrieb die Barbarenaus demselben und besetzte im J. 408 auch ganz Hispanien, wohin erseinen Sohn Constans unter Begleitung des Präfekten Gerontius ge-schickt hatte. Nachdem er so die ganze Macht der gallischen Präfekturan sich gerissen, wurde er von dem schwachen Honorius zum Augustusernannt. Die Feinde Stilicho's machten sich alle diese Ereignisse zuNutze, um den Honorius mit Misstrauen gegen ihn zu erfüllen, beschul-digten ihn der Absicht, im Bunde mit Alarich nach Constantinopel zugehen, um dort seinen Sohn Eucherius auf den Thron zu heben, undbildeten eine Verschwörung zu seinem Sturze. Der an der Spitze diesesComplottes stehende neue Günstling des Honorius, Olymp ins, wusstein geschickter Weise die Schwäche des Kaisers und den Hass der Römer