58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Körner während dieser Periode. 239
bedrohten sogar die Küsten Italiens. Stilicho schiffte, um ihren Einfällenin Italien zuvorzukommen, mit einer Flotte und einem Heere nach demPeloponnes. Die Gothen zogen sich vor ihm in die Gebirge Arcadienszurück, wo sie von ihm eingeschlossen wurden. Hier nun entwickelteAlarich seine grosse militärische Begabung* es gelang ihm, sich glück-lich nach Epirus durchzuschlagen, und der byzantinische Hof, um nichtin Alarich einen gefährlichen Feind, in Stilicho aber einen lästigen Ver-bündeten zu haben, ging nun auf die früheren Anträge des Ersteren ein,erhob ihn zur Würde eines magispri militum der östlichen illyrischen Prä-fektur und überliess seinen Truppen daselbst Landgebiet. Diese Schwach-heit und Nachgiebigkeit erzeugte in Alarich das Gefühl seiner eigenenUeberlegenheit und den Durst nach neuen Eroberungen. Von den West-gothen zu ihrem König ausgerufen, begnügte er sich für die erste Zeitmit ihrer besseren Bewaffnung aus Staatsarsenalen und wartete nur aufgünstige Umstände und Gelegenheit zu Eroberungen.
Während dessen hatte im J. 398 Stilicho von Neuem Afrika unter-worfen , wo ein Bruder des gewesenen Usurpators und Kaisers Firnius,Gildo, den Purpur genommen hatte, im Osten aber war Eutropius durchGainas gestürzt worden; der Letztere besass indessen nicht genug Klug-heit und Energie, um seine Macht zu bewahren, und wurde in Folgeseiner Missethaten verjagt und getödtet. Hierauf erfreute das OströmischeReich sich einige Zeit der Ruhe, welche nur durch kirchliche Streitig-keiten gestört wurde in Folge der Verfolgung, des Sturzes und der Ein-kerkerung des Patriarchen von Constantiuopel, Johann Chrysosto-mus, durch Eudoxia und ihre Partei. Für Chrysostomus nahm das ihmanhangende Volk und sogar Honorius Partei, indem er seinen BruderArcadius mit Krieg bedrohte, wenn er nicht Jenen aus dem Kerker ent-liesse. Nur der Tod des Chrysostomus verhinderte diesen Krieg.
Alarich, der sich in dem östlichen Theil der illyrischen Präfekturfestgesetzt hatte, forderte inzwischen auch die westlichen Theile der-selben von Stilicho und fiel im J. 402 in Italien ein. Während Stilichonoch sein Heer zusammenzog, suchte Honorius in Ravenna eine Zuflucht,und von dieser Zeit an wurde diese Stadt wegen ihrer starken örtlichenLage und der Möglichkeit, aus ihr zur See zu entkommen, anstatt JMedio-lanums der Aufenthaltsort der Kaiser und des kaiserlichen Hofes imWeströmischen Reiche. Als Stilicho mit seinen aus Britannien undGallien herbeigeführten und in Germanien ausgehobenen Truppen inItalien ankam, stiess er bei Asti auf Alarich's Gothen und zwang sie inder Osterwoche des J. 403 bei Polentia zur Schlacht, welche, obgleichohne entscheidendes Resultat, doch dem Stilicho erhebliche Vortheilebrachte. Die Gothen hatten ihre Bagage und viele Gefangene verlorenund zogen sich zurück. beobachtet von dem verfolgenden Stilicho, und