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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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238 IV. Von Augustus bis zum Untergang- des Weströmischen Keiches.

schon er seinem Alter nach hätte selbständig regieren können, vollkommenfremdem Einflüsse, zunächst dem des Galliers Ruf inus, und nach dessenSturz dem des Eunuchen Eutropius und dessen ehrgeiziger GattinEudoxia. Obgleich der Gedanke, dass beide Reichshälften ein einzigesReich bilden sollten, noch nicht lange erloschen war, so nahm doch ihregegenseitige Entfremdung allmälig immer mehr zu, weil jede anfing,ihrer besonderen Politik zu folgen und mit Eifer suchte, sich dem Ein-flüsse der anderen Reichshälfte zu entziehen. Diese Umstände machtesich der unternehmende Alarich zu Nutze, um mit Gewalt der Waffenfür die sich ihm anschliessenden und ihn zu ihrem König machendenWestgothen vortheilhafte Gegenden in jenem Theile der illyrischen Prä-fektur zu gewinnen, welcher zum Oströmischen Reiche gehörte.

Gleich zu Anfang nach dem Tode des Theodosius suchten die sichgegenseitig hassenden Minister Stilicho und Rufinus einander zu stürzen,der Erstere gewann aber die Oberhand. Rufinus, dem seine Absicht, denArcadius mit seiner Tochter zu verheirathen, fehlgeschlagen war, undder, nachdem dieser sich mit Eudoxia, der Tochter des früher in römi-schem Kriegsdienst gestandenen Franken Bautus. vermählt hatte, fühlte,dass seine (des Rufinus) Macht und Ansehen erschüttert war, verlangteu. A. von Stilicho die Zurückziehung der zur Ostarmee gehörenden Le-gionen aus dem Westen nach dem Osten. Stilicho Hess sie zurückkehren,aber unter der Führung eines ihm ergebenen Feldherrn, des GothenGainas. Als im November 395 Arcadius mit Rufinus diesen Legionen ausConstantinopel entgegen zog, wurde auf ein Zeichen des Gainas Rufinusvon den Gothen umringt und getödtet. Aber Stilicho hatte hierdurchNichts gewonnen, denn an des Rufinus Stelle begannen nun der Ver-schnittene Eutropius und Eudoxia im Namen des Arcadius zu herr-schen, und Gainas weihte für die Stellung eines macßstri müitum sichund sein Heer dem Dienste des Oströmischen Reiches. Stilicho ent-schädigte sich für den im Osten erlittenen Misserfolg dadurch, dass er imJ. 398 den 14jährigen Honorius mit seiner Tochter Maria vermählte unddadurch in hervorragendem Maasse seine Macht im Westen befestigte,wodurch aber auch die Macht der Feldherren, welche alle Germanenwaren, daselbst in gleichem Maasse wuchs.

Um dieselbe Zeit bewog Alarich, welcher der oströmischen Re-gierung die Dienste seiner Gothen angeboten, aber einen abschläglichenBescheid erhalten hatte, die Gothen zum Bruche des mit Theodosius d. Gr.abgeschlossenen Vertrages, und sie fielen aufs Neue in Thracieu, Mace-donien, Thessalien und im J. 396 durch die Thermopjien sogar in Grie-chenland ein, das Land furchtbar verwüstend und ausplündernd. Nach-dem sie sich der in den griechischen Häfen befindlichen Schifte bemächtigthatten, fingen sie Seeräubereien auf dem Adriatischen Meere an und