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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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236 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

aber wurde er von den ihn verfolgenden Truppen des Maximus eingeholtund getödtet. Dies Alles verlief so rasch . dass Theodosius die verschie-denen Meldungen alle zur selben Zeit erhielt und nun. nachdem Gesandtevon Maximus behufs Unterhandlungen eintrafen, sich mehr durch Bück-sichten der Politik als durch seine Gefühle bestimmen lassen musste.Das Ergebniss der Unterhandlungen war die Anerkennung des Maximusals Kaiser mit der Bestimmung, dass er sich mit der gallischen Präfektur(Gallien, Britannien und Hispanien begnüge, während die italische Prä-fektur (Italien, Illyrien und Afrika) im Besitze Valentinian's IL verblieb,dessen Mutter Justina während seiner Minderjährigkeit für ihn die Re-gentschaft führte. Theodosius und Maximus hingen der rechtgläubigenLehre an, Justina dagegen der arianischen, worüber sie in heftigen Streitmit dem Erzbischof Ambrosius von Mediolanum und dessen Untergebenengerieth. Maximus beschloss hiervon Nutzen zuziehen, um Valentinian's ILPräfektur an sich zu reissen. Im J. 337 brach er die Alpen überschrei-tend so rasch in Italien ein, dass Justina sich mit ihrem Sohne kaumnach Aquileja zu retten vermochte, von wo sie zur See nach Thessalonicaan den Hof des Theodosius ging, um von ihm Schutz und Hülfe zu er-flehen. Theodosius, obgleich ihr als Arianerin nicht geneigt, trat seineseigenen Vortheils wegen und aus Pflicht der Dankbarkeit auf -ihre Seite.Nachdem er im J. 388 einen Sieg über des Maximus Feldherrn Andra-gatus*) erfochten, rückte er mit seinem aus Gothen, Hunnen undAlanen zusammengesetzten Heere so rasch auf Aquileja, dass Maximusin dieser Stadt keine Vertheidigungsmaassregeln mehr zu treffen imStande war. Seine Truppen erklärten sich gegen ihn, nahmen ihn ge-fangen , rissen ihm die Zeichen seiner Kaiserwürde ab und schlepptenihn in das Lager des Theodosius zu dessen Füssen. Theodosius hatte denWunsch ihn zu begnadigen, aber sein Heer forderte, dass er für die Er-mordung Gratian's und die Verjagung Valentinian's IL hingerichtet werde,und so sah Theodosius sich gezwungen, ihn dem Grimm seiner Soldatenzu überlassen, welche ihn nebst seinem Sohne Victor ?f) umbrachten.

Hiernach war Theodosius im Vollbesitz der Herrschaft über dasganze römische Reich, und während der ganzen Zeit seiner Anwesenheitim Westen herrschte er allein. Als er aber im J. 391 nach dem Orientaufbrach, übergab er Valentinian IL den Westen in guter Verfassung undblühendem Zustande. Der junge Valentinian erweckte grosse Hoffnungen,wurde aber bald von seinem Hauptgehülfen, dem magiater militium Ar-bo gast, einem Franken, um einer persönlichen Beleidigung willen

*) Oder Androgotus, Feldherr und Bruder des Maximus. Anmerk. d. Uebers.**) Der junge Victor wurde in Gallien auf Befehl Arbogast's, eines Feldherrn desTheodosius, hingerichtet. Anmerk. d. Uebers.