5S. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Körner während dieser Periode. 235
durch den Sohn des im J. 370 hingerichteten Theodosius, der gleichfallsTheodosius hiess. Dieser letztere bekleidete bereits eine der höchstenStellen bei der Armee, nach der Hinrichtung seines Vaters verliess er denDienst und lebte als Privatmann auf seinen Besitzungen in seiner Hei-math Hispanien (in der Nähe des h. Valladolid). Im J. 379 berief ihnGratian von dort zurück, ernannte ihn zum Augustus und zum Statthalterdes ganzen Ostens, mit dem Auftrage, zunächst Thracien von den Bar-baren zu säubern.
§. 407.Kriege und Feldzüge Theodosius d. G-r. (379—395).
Theodosius rechtfertigte die Wahl Gratian's in vollstem Maasse:entscheidenden Schlachten mit den Barbaren ausweichend, beschränkteer sich lediglich auf die Vertheidigung der festen Punkte, that den Bar-baren in kleineren Treffen Abbruch und wusste gleichzeitig Unfriedenzwischen ihnen zu stiften und davon Nutzen zu ziehen. Nach dem Todeihres Königs Fritigern hatten die Gothen keinen gemeinschaftlichen,von Allen anerkannten Führer mehr ; ihre einzelnen Anführer schlössennach und nach besondere Verträge mit Theodosius. Auf diese Weisewaren 4 Jahre nach der Niederlage des Valens bei Adrianopel im J. 382,die Gothen überall zur Unterwerfung gebracht und hatten sich friedlichin den ihnen angewiesenen Provinzen niedergelassen, und zwar die West-gothen in Thracien, die Ostgothen in Phrygien und Lydien (in Klein-asien;. Hier lebten sie beisammen nach ihren eigenen Gesetzen undGebräuchen , unter ihren eigenen Königen, den oströmischen Kaiser alsihren obersten Kriegsherrn anerkennend, dem sie für das ihnen abge-tretene Land stets 40000 Mann Hülfstruppen in Bereitschaft zu haltenverbunden waren, und so bildeten die Gothen zum ersten Maleinnerhalb der Grenzen des römischen Reiches einen ger-manischen Kr iegerstaat. Theodosius hoffte, dass sie in der näch-sten Generation sich dem Geiste und der Bildung der Römer angeschmiegthaben würden; es geschah aber das Umgekehrte: die barbarische(wie die Römer-sie nannten, in Wahrheit aber die germanische, ver-mischt mit der slawischen) Welt dehnte ihr eigenstes Wesen und ihrenEinfluss bis über den kaiserlichen Hof selber aus.
Während dessen hatte im Westen Gratian Thron und Leben ein-gebüsst. Im J. 383 wurde der Landsmann und Kriegskamerad des Theo-dosius, der Spanier Maximus, von den Legionen zum Imperator aus-gerufen und nahm, wie er versicherte, von ihnen gezwungen den Purpuran. Nach Gallien übergesetzt, wurde er auch von den dortigen Legionenanerkannt. Gratian entschloss sich zur Flucht, um jenseits der Alpen beiseinem Bruder Valentinian IL Hülfe zu suchen, bei Lugdunum (Lyon)