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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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58. Kurzer historischer Abriss der Kriege der Römer während dieser Periode. 233

Valentinian zum Kaiser gewählt, der am 28. März seinen BruderValens zum Mitregenten ernannte und ihm die Regierung des Ostensübertrug, während er für sich den Westen behielt.

Hier brachte Valentinian I. (364375j, welcher im J. 367 seinenachtjährigen Sohn Gratianus zum Augustus ernannte, seine ganze Re-gierungszeit mit fortwährenden Kriegen gegen die Germanen zu, welchejetzt aufgestanden waren, um sich für die durch Julian ihnen zugefügtenNiederlagen zu rächen. Zuerst wandte er sich zum Rhein gegen dieFranken, Sachsen und Alemannen, dann zur Donau gegen die Quadenund die übrigen jenseits der Donau hausenden Völker. Mit Hülfe aus-gezeichneter Feldherren, unter denen sich namentlich Theodosius(der Vater des später Kaiser gewordenen Theodosius d. Gr.) hervorthatund emporschwang, gelang es ihm endlich den Schutz der Grenzen zusichern und die Ruhe im Innern dauernd zu erhalten. Nach seinem Todeim November 375 zu Bregetio (dem h. Günr in Wengrien) ging die Re-gierung in die Hände des schwachen und unfähigen Gratianus über, derdamit begann, dass er ohne Anklage und schimpflich den verdienst-vollen Theodosius auf die blosse von dessen Feinden herrührende Ver-läumdung hinrichten Hess.

Als nicht minder unfähigen und unwürdigen Regenten erwies sichim Orient Valens (364 -378), der gezwungen war einen mächtigen,durch seine Hinneigung zum Arianismus und seine Grausamkeit in Er-pressung von Steuern und Abgaben, sowie durch den Ehrgeiz des einzigennoch am Leben befindlichen Verwandten Julian's, Procopius, hervor-gerufenen Aufstand zu bekämpfen. Procopius war im J. 365 durch seinHeer in der Nähe von Constantinopel zum Kaiser ausgerufen worden, be-stieg den Thron, und vermählte sich mit der Wittwe des Kaisers Constan-tius, welche von diesem noch eine fünfjährige Tochter hatte. Die Anhäng-lichkeit an das Haus des Constantin's d. Gr. verbreitete den Aufstand inThracien und Bithynien. Valens hatte den Kopf gänzlich verloren. DieFestigkeit aber und Tapferkeit seiner Feldherren rettete ihn: ihr Ein-fluss auf das Heer, unterstützt durch Geldspenden von Seiten des Volkes,brachte es dahin, dass, als im J. 366 es bei Nacolia in Phrygien zurSchlacht kam, des Procopius Truppen von diesem abfielen und ihn anValens auslieferten, welcher ihn und viele seiner Anhänger tödten liess.Und da Procopius mit den Gothen in Verbindung gestanden hatte, so ent-stand in Folge der Niederwerfung seines Aufstandes ein Krieg mit diesen,welcher 3 Jahre dauerte (367 369) und mit einem für die Gothenschimpflichen Frieden endete. Durch diesen Frieden wurde sowohl diefrühere Freiheit der internationalen Beziehungen, als die jährliche Zah-lung von Geldgeschenken (Tribut) durch die Römer abgeschafft. Un-mittelbar hiernach war Valens genöthigt, sich gegen die Perser zu wen-