232 IV; Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
zwungen, am linken Tigrisufer stromauf zu niarseliiren. und da es hierbeinicht anging die Flotte durch Mannschaften stromauf ziehen zu lassen,ohne dazu die Hälfte seiner Armee anwenden zu müssen, so blieb ihm nurübrig, die Schiffe zu verbrennen. Auf diesem Zuge längs des Tigris wussteNiemand aus dem römischen Heere den Weg, man musste also sich aufpersische Führer verlassen, welche nun zunächst den Julian mit seinemHeere vom Tigris ab durch fruchtreiches Land, dann aber in eine weiteunfruchtbare Wüste führten und entflohen. Zu gleicher Zeit kamen vonallen Seiten zahlreiche Perserschaaren zum Vorschein, welche auf alleWeise den Marsch der Körner zu erschweren und ihnen Abbruch zu thunsuchten. Obgleich es Julian gelang, den Tigris zu erreichen, so war esdoch unmöglich, ohne Schiffe und Angesichts der Perser über denselbenzu setzen, und es musste ein 20tägiger Weitermarsch durch Armenienauf schwierigen Wegen in von den Persern verwüstetem Lande beibrennender Gluth angetreten und dabei von den Soldaten aller Proviantgetragen werden, während sie sich noch der persischen Geschosse undReiter zu erwehren hatten. Trotz dessen setzten sie den Marsch fort,langsam, aber muthig. Julian selbst ging ihnen mit gutem Beispielvoran und wurde das Opfer seiner Kühnheit. Als er einst wegen derdrückenden Hitze sich des Panzers entledigt hatte, machten die Persereinen Angriff; ohne sich Zeit zum Anlegen der Rüstung zu gönnen warfsich Julian ihnen entgegen, trieb sie in die Flucht, wurde aber bei derVerfolgung durch einen Wurfspiess in der Brust verwundet und gab kurznachher (25. Juni 363) seinen Geist auf.
Der zum Augustus ausgerufene 33jährige Oberste der Haustruppen(Primus ordinis domesticorum) Flavius Jovianus, gab Befehl zurFortsetzung des Marsches. Dieser aber wurde immer schwieriger, denndie Perser, welchen der Tod Julian's zu Ohren gekommen war, drangenimmer heftiger auf die Römer ein. Die Letzteren versuchten, aber ver-geblich, eine Brücke über den Tigris zu schlagen; ihr Mundvorrathwurde täglich geringer, und den Hungertod vor,Augen mussten sie sicham 7. Tage nach dem Tode Julian's darein ergeben, auf die drückendenvon Sapor vorgeschriebenen Friedensbedingungen einzugehen. Die Rö-mer gaben ihm alle von den Persern an Diocletian abgetretenen Provinzenzurück und opferten die Festungen Nisibis und Singara, für deren Ein-wohner nur mit Mühe die Erlaubniss zur Auswanderung mit ihrer Habeerwirkt wurde.
In das römische Gebiet zurückgekehrt, brach Jovian im Winter363-—364 aus Antiochia nach Constantinopel auf, zwischen Ancyra undNicäa starb'er aber am 26. Februar 364 an den Folgen einer Indigestion.Zehn Tage lang blieb Staat und Heer ohne Kaiser, erst am 11. Tagewurde zu Nicäa der erfahrene und bei den Truppen beliebte Präfekt