230 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
lehrten Beschäftigungen mit den Waffen und einer hohen Stellung ver-tauschen musste, wurde zu Mediolanum feierlich in die Cäsarenwürdeeingesetzt, das Heer jauchzte seiner Ernennung laut zu, da er versprachein Held zu werden, — leider aber befleckte er sich durch den Hassgegen das Christenthuni, von dem er abfiel und das er verfolgte, sobalder im J. 361 den Thron bestiegen hatte.
Constantius begab sich, nachdem er den Julian nach Gallien ge-schickt hatte, für seine Person an die Donau, wo er bis zum J. 359 blieb ;dann eilte er nach dem Osten, wo Sapor neuerdings in Mesopotamieneingefallen war und sich in den Besitz der Festung Amida gesetzt hatte.Während dessen verhielt sich Julian in Gallien möglichst vorsichtig, umauch nicht den leisesten Grund zu irgend welchem Argwohn zu geben,und als er endlich hierdurch volle Freiheit erlangt hatte, entwickelte erganz ungemeine Tapferkeit, Kenntnisse und Ausdauer. Im J. 357schlug er mit nur 13,000 Mann, welche er bei sich hatte, bei Strassburgein zahlreiches Heer der Alemannen, welche sich seit des MagnentiusZeit der östlichen Theile Galliens bemächtigt hatten, setzte daun überden Khein und bedrängte die Alemannen so lange, bis sie um Frieden zubitten kamen. Darauf wandte er sich nach Belgien gegen die Frankenund zwang sie, obgleich er sie nicht ganz von dort zu vertreiben ver-mochte, doch zum Frieden und zur Anerkennung der abgestecktenGrenzen. Durch die vortreffliche Verwaltung Galliens war inzwischensein Buhm dermassen gewachsen, dass die unter seiner Herrschaft ste-henden Einwohner dieses Landes ihn einstimmig priesen und lobten.Das aber gerade gab seinen Feinden am Hofe des Constantius Anlass,diesem schwachen und argwöhnischen Kaiser Misstrauen gegen ihn ein-zuflössen und Julian seiner Macht zu berauben. Im J. 360 erschienen inLutetia Parisiorum (Paris), wo Julian seine Besidenz aufgeschlagenhatte, Abgesandte des Constantius, welche ihm den Befehl überbrachten,sofort 4 volle Legionen nach Asien zu entsenden. Bei diesen befandensich viele Germanen, sogenannte foederati oder Bundesgenossen,welchen speciell versprochen worden war, dass sie niemals zu Kriegs-uuternehmen jenseits der Alpen verwendet werden sollten. Julian ge-horchte, hob aber die Gefahr hervor, welche daraus entstehen könne. Inder That gaben die Truppen, namentlich die durch Lutetia marschirenden,ihre lebhafte Unzufriedenheit damit zu erkennen, dass man sie von ihremgeliebten Feldherrn trennen wolle. Um Mitternacht versammelten siesich vor Julian's Schlosse und riefen ihn heraus, um ihn zum Augustuszu proklamiren. Julian aber gerieth ersichtlich in Schrecken und Be-stürzung, schloss sich in seiner Burg ein und zeigte sich den Truppenerst am Morgen des folgenden Tages. Sobald er erschien, hoben ihn dieKrieger auf die Schilder und riefen ihn zum Augustus aus. Hiernach