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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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216 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

(der Anfang der späteren Fürsten -Apanagen). Wenn aber das Volkseinem Aeltesten nicht mehr in Vertrauen, Liebe und Achtung anhing, sowählte es einen andern, indem es seinen Willen öffentlich durch eineVolksversammlung aussprach, welche von jeher bei allen slawischenVölkern bestanden haben. Die Macht der Volksversammlung stand, ohnejene des Aeltesten zu beschränken, derselben so zu sagen gleichberechtigtda, solange, wie gesagt, das Volk seinem Aeltesten vertraute. DerLetztere berief bei wichtigen Fällen selbst den Reichstag zusammen,bei welchem die Angelegenheiten durch Einstimmigkeit, nicht durchStimmenmehrheit entschieden wurden. Alle Slawen waren frei undliebten die Freiheit so, dass sie für dieselbe zu sterben bereit waren.Die zu ihnen kommenden Fremden waren gleichfalls bei ihnen frei;Sklaven gab es bei den Slawen nicht, ihre Kriegsgefangenen behieltensie zu Arbeiten nur eine bestimmte Zeit bei sich, nach deren Ablauf die-selben gegen Lösegeld nach Hause zurückkehren oder unter ihnen alsFreie und Freunde bleiben durften.

Mit diesem Gemeinwesen der alten Slawen stand auch ihr Heer-und Kriegswesen in Uebereinstimmung. lieber Krieg und Friedenentschied die Volksversammlung, und je nach der Art des Kriegsunter-nehmens wurde die Zahl der dafür bestimmten bewaffneten Männer fest-gesetzt , bei weniger wichtigen Fällen eine geringere, bei wichtigereneine grössere; bei äusserst wichtigen oder gefährlichen Anlässen fand einallgemeines Aufgebot aller erwachsenen und waffenfähigen Mannschaftstatt. Zum Heerführer erwählte der Reichstag den durch Verstand, Er-fahrung, Muth, Tapferkeit, oder kriegerische Gaben am meisten Ausge-zeichneten. Das Heer setzte sich Familien- und Gemeindeweise zu-sammen unter Anführung der betreffenden Aeltesten. Die Bewaffnung,Kampfart, und Art der Kriegführung der Scythen und Sarmaten,wie sie oben geschildert wurde, kann einen annähernden Begriff von demStandpunkte geben, auf welchem die alten Slawen in diesen Dingenstanden, doch sind im 3., 4. und 5. Jahrh. u. Chr. einige Verschieden-heiten zu bemerken. So kämpften die Sarmaten und namentlich dieScythen fast ausschliesslich zu Pferde, die Slawen zu Fusse. Die süd-lichen, Donau-Slawen, hatten von den beständigen mit den Germanengemeinschaftlich ausgeführten Kriegsactionen gegen die Römer unzweifel-haft von den Einen und Andern Vieles an Bewaffnung, Art der Krieg-führung und der Operationen angenommen, und zwar.um so mehr, alszu jeder Zeit alle Slawen sehr gelehrig waren. Mochten die Südslawenauch, wenn sie die Römer bekriegten, mehr oder weniger gut bewaffnetsein, bei ihren häufigen Siegen über die Römer und der Ausplünderungvon deren Städten und Colonien gelangten sie jedenfalls in den Besitzverschiedenartigster Waffen derselben. Etwas Aehnliches dürfte wohl