57. Die Völker, gegen welche die Römer in dieser Periode Kriege führten. 217
auch von den nördlichen am Baltischen Meere sesshaften Slawen gelten,welche an der Küste wohnend und dem Seehandel obliegend, häufigenAngriffen zur See ausgesetzt waren, die durch die Flotten der See-räuberei treibenden Bewohner der Nordküsten des Baltischen Meeres(Skandinaviens) unternommen wurden. Die Notwendigkeit, sich zuschützen, machte sie kriegerisch, ihre Handelsbeziehungen aber und ihrReichthum gestatteten ihnen eine gute Bewaffnung und militärische Or-ganisation. Diejenigen slawischen Stämme dagegen, welche auf demGebiete zwischen den Süd- und Nordslawen und zwischen Germanenund den aus Asien hereindringenden fremden Völkern hin und her zogen,standen zwar diesen slawischen Stammesgenossen an Bewaffnung, Artder Kriegführung und der Kriegsoperationen nach, nicht aber den andernStämmen. Im Allgemeinen aber kann man sagen, dass mit Ausnahmeder Sudslawen und vielleicht theilweise der Nordslawen, alle zwischendiesen wohnenden Slawen mehr den Frieden als den Krieg liebten, imGegensatz zu den Germanen. Wenn sie Krieg führten, so entwederuntereinander um der »slawischen Uneinigkeit« willen, von welcher obendie Rede war, oder — namentlich im 4. und 5. Jahrh. — zum Schutzeder ihnen theuren Freiheit und Unabhängigkeit gegen die starkenfremden Völker: Gothen, Hunnen, Avaren oder Obri u. s. w.
Noch ausführlichere und detaillirtere Mittheilungen über das öffent-liche wie das'Kriegswesen der Slawen in der späteren Zeit — vom6. Jahrh. n. Chr. an — werden später seines Ortes gemacht werden.
§. 402.Die Hunnen.
Die Hunnen, welche zu Ende des 4. Jahrh. n. Chr. aus Mittelasienin Südost-Europa eindrangen und sich in dem Räume zwischen untererWolga und Donau niederliessen, dann aber im 5. Jahrh. unter der Herr-schaft ihres Führers oder Königs Attila ein mächtiges und furchtbaresReich errichteten, welches fast das Weströmische Reich zerstört hätte,waren ein Volk, nach den Einen finnischer, nach der meisten AnderenMeinung mongolischer Abstammung. Gleichzeitige Schriftsteller schil-dern sie mit den dunkelsten Farben: ihr uneivilisirtes, hässliches, wildes,thierisches Aussehen jagte nicht nur Römern und Griechen, sondern auchden europäischen Barbaren Schrecken ein; die ungewöhnliche Grausam-keit, Rohheit und Wildheit ihrer Sitten vermehrte nach den durch ihrAeusseres hervorgerufenen Abscheu. Sie führten ein Nomadenleben,ihre allgemeine Organisation war eine vollkommen kriegerische. Sietheilten sich in eine Menge Stämme oder Horden unter Führung ihrerStammesältesten oder Anführer. Diese Horden waren von einander un-