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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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214 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Letzteren in Pannonien ein und nahmen eine Menge Slawen mit sich.Ueberhaupt setzte die Völkerwanderung im 4. und 5. Jahrh. n. Chr.auch die slawische Welt in Bewegung, und im Süden, vom SchwarzenMeere bis zum Atlantischen Ocean, vermischten sich mit den germani-schen Stämmen auch viele slawische (vorzugsweise die Alanen),wobei sich die Letzteren nach Westen bis zur Elbe und dem westlichenBöhmerwalde ausbreiteten. Nach den Hunnen herrschten über einenTheil der durch sie unterworfenen slawischen Stämme die Avaren oderObri, welche auf die Hunnen folgend das gleichfalls mächtige avarischcReich gründeten. Mit dem Ende des 5. Jahrh.' n. Chr. erscheinen ander Donau die Bolgaren, ein Theil eines zahlreichen Volkes türkischerAbstammung, welches an den Ufern der Wolga und Kama herrschte undinfolge dessen sich mit den Ureinwohnern finnischen Stammes bedeutendvermischt hatte. Die Donau-Bolgaren gründeten ihr Reich zwischen denSlawen in Mösien (dem heutigen Bulgarien). Damit hören die ver-schiedenen Wanderungen der Slawen bis zum Untergange des West-römischen Reiches auf, nach demselben erscheinen sie in der Geschichteunter ihren verschiedenen eigenen Namen in dem Räume von Albis (Elbe)und Saale bis zur Wolga, Dwina und Dnjepr, und vom Baltischen biszum Schwarzen Meere, was denn später an seinem Orte angegeben wer-den wird.

Hier ist nur noch Einiges über das allgemeine Leben und das Kriegs-wesen der alten Slawen bis zum Ende des 5. Jahrh. nachzutragen.

Die Grundlage des öffentlichen Lebens der Slawen in'jenenfernen Zeiten war das Familienleben, und zwar nach den Einen-der Familie im engern verwandschaftlichen Sinne [rodoivoi] , nach denAndern der Gemeinde. Die letztere Ansicht ist die wahrschein-lichere, weil das Wort Rod (Geschlecht) bei den Slawen des AltcrthumsFamilie bedeutete,obgleich allerdings auch Andeutungen vorliegen,dass bei ihnen eine Art von Familienleben existirte. Die allererstenStammfamilien lebten isolirt, der Gebrauch, die mannbaren Jungfrauenzu entführen, zu kaufen resp. zu verkaufen, und auch wohl die Thei-lungen nach dem Tode des Vaters, des Familien-Oberhauptes, machtendiese Isolirung dann allmälig verwischen. Der Familie (Haus, Gesinde)stand das Haupt, der Vater, vor, nach seinem Tode folgte ihm viel-leicht der älteste Sohn, oder, wenn dieser nicht volljährig, oder über-haupt keiner vorhanden war, so verwaltete Haus und Habe die ganzeFamilie gemeinschaftlich, indem sie aus ihrem Geschlechte einenAeltesten oder WladiJea (Herr) wählte. Dies führte mit der Zeit zu einergemeinsamen Verwaltung der Häuser und Habe der ganzen Sippe, allerFamilienglieder, oder zu der Familiengemeinde (slawisch: Werw,Sadruga, Verwandtschaft, Freundschaft, Sippe). Aus diesen Sippen