57. Die Völker, gegen welche die Römer in dieser Periode Kriege führten. 213
waren, die Letzteren aber vor allen Uebrigen mit ihnen im Süden innähere Beziehungen traten. Die Slawen selbst führten verschiedeneStammesnamen, und wenn sie sich alle mit demselben allgemeinen Na-men bezeichneten, so war dies, wie man annimmt, der der Sorabenoder Serben.
Unzweifelhaft ist es, dass die Slawen dem indo-europäischen oderarischen Volksstamme angehörten und gleich den Germanen noch inpraehistorischer Zeit aus Asien nach Europa einwanderten, — das »wann«lässt sich nicht bestimmen. Dagegen steht mit grosser Bestimmtheit fest,welches Territorium in Osteuropa dieselben seit den ältesten Zeiten be-wohnten. Aus verschiedenen triftigen Gründen hat man angenommen,dass der südwestliche Theil Osteuropas,"nämlich das Karpathen-Landfrüher als die anderen Theile von den Slawen occupirt wurde, und dassvon hier aus sie sich in verschiedenen Gegenden ansiedelten: im Nordenbis zum Baltischen Meere, im Süden bis zum Adriatischen Meere, als sieaus dem Karpathen- und Donau-Gelände durch die Wlachen oderWo lochen, nach Andern durch die Kelten oder Daker, oder Römerverdrängt wurden; der Name Wlache wird von <J?m gothischen WorteWallen oder dem bulgarischen Wlach abgeleitet, was Beides Wan-derer, Nomade bedeutet. Indem sie sich im Norden und Nordostenvon dem Karpathengebiet niederliessen, vermehrten sie an Oder,Weichsel und Dnjepr die Zahl ihrer dort ansässigen Stammesgenossen,oder entrissen den, fremden Stämmen, besonders den finnischen, Ange-hörenden ihre Ländereien. In jenen jenseits der Karpathen gelegenenGegenden, welche Griechen wie Kömer im Allgemeinen Scytkien undSarmatien (s. oben) nannten, kannten die griechischen und römischenSchriftsteller des 4. und 5. Jahrh. v. Chr. schon mehrere Stämme derVeneter unter den Namen der Budiner, Serben, Chorbaten,Polen, Veleter, Slowenen, Kriwitschen, Sjeverjaner,u.s.w.Eine weitere Ausdehnung der Slawen nach Osten wurde durch die nachWesten gehende Bewegung der Völker finnischen und türkischenStammes, nämlich der Hunnen und Avaren oder Obri gehindert.Von diesen gedrängt und schliesslich unterworfen, wichen die Slawennach Westen zurück und begannen ihrerseits die dort wohnendenStämme, namentlich die germanischen zu drängen und sich bis zur Elbeund neuerdings nach Südwesten über die Karpathen und Donauländerauszudehnen.
Im 4. Jahrh. n. Chr., wie schon oben (§. 396) erwähnt, vom Balti-schen zum Schwarzen Meere ziehend, unterwarfen die Gothen die aufdiesem Gebiete ansässigen slawischen und finnischen Stämme und grün-deten in dem heutigen Westrussland das mächtige gothische Reich. Nachder Zerstörung desselben durch die Hunnen im J. 375 drangen diese