57. Die Völker, gegen welche die Römer in dieser Periode Kriege führten. 209
nähme der Augen bedeckte. Die Sarmaten waren von hoher Statur,kräftigem und festem Körperbau, hübsch, mit blonden Haaren undgrossen blauen Augen, welche nach Aussage des Ammianus Marcellinus,drohende Blitze schleuderten.
Ihre stete Beschäftigung bestand in Jagd und Krieg, die Haupt-quellen ihres Unterhaltes waren Abgaben der benachbarten Völker, jähr-liche Geldgeschenke der römischen Kaiser, und Plünderung der Länderjenseits der Donau und des Kaukasus. Die Sarmaten schleppten ihreGefangenen an Stricken fort und gaben ihnen nur für Geld die Freiheitwieder. Freiwillige Schaaren der donischen Alazonen nahmenSöldnerdienste bei europäischen und asiatischen Völkern und kämpftenals Verbündete bei den römischen Vortruppen in Europa und Asien, wieauch in persischen (und später auch in griechischen und sogar in arabi-schen und mongolo-tatarischen) Heeren. Ohne sie wurde kein Kampfbegonnen, kein Sieg entschieden, weshalb dann Ammianus Marcellinnsim 4. Jahrh. mit Recht schrieb: »Mit Alanen ist der ganze Raum vondem Baltischen Meere bis zu den asiatischen Strassen und bis zumGanges besäet.«
An den Ereignissen der geschichtlichen Welt nahmen die Sarmatenseit dem J. 94 v. Chr. sichtbaren Antheil, als der pontische König Mithri-dates Eupator (d. Gr.) mit einem zahlreichen Heere in ihr Land und dasscythische eindrang und ihren König Tasch besiegte. Kurz nachMithridat's Tode traten die Sarmaten von Neuem als das herrschendeVolk zwischen Dnjestr und Donau auf, von wo aus sie auch die römischenGrenzen in Europa und Asien anzugreifen heginnen. Der im J. 15 nachChr. von Asinius Gallus über sie erfochtene Sieg hinderte sie nichtan der Theilnahme bei dem Kriege gegen die Römer an und jenseits derDonau, in Gemeinschaft mit den Geten und den übrigen zwischen Dnjeprund Donau wohnenden Völkern gleichen Stammes. Im J. 69 unter Othofielen sie in Mösien ein, wurden aber durch seinen Legaten Aponiuswieder daraus vertrieben. Unter Vespasian (69—79) machten sie zuein und derselben Zeit Einfälle nach Europa über die Donau, und nachAsien über den Kaukasus, wo sie Medien so verheerten, dass der per-sische König von Vespasian Hülfe gegen sie erbat. Unter Domitian(8.1—96) leisteten sie den Dakern in deren Kriegen gegen die Römerthätigen Beistand, und obgleich sie im J. 85 durch den römischen Le-gaten J u 1 i a n u s besiegt wurden, so endete der Krieg dennoch damit,dass Domitian sich zu jährlichen Tributzahlungen an die Daker undSarmaten verpflichtete. Trajan trieb nach Unterwerfung der Daker(101—106) die Sarmaten bis an den Dnjestr zurück und legte an diesemstarke militärische Kolonien zum Schutze an. Hadrian (117—138)
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,5. 14