57. Die Völker, gegen welche die Römer in dieser Periode Kriege führten. 203
(Gerrhus), — es war die Beerdigungsstätte der scythischen Könige. DasLand zwischen Erros (Busiüuk) und Panticapes (Ingul) hatten die Scy-thae Nomades inne; mit ihrem Gebiete begann im Osten das Grosseoder Haupt- (eigentliche) Scythien. Das Land westlich des Dnjepr vomLiman bis zur Mündung des Busuluk hiess Hylaea, d. h. das holzreicheLand. Zwischen Hypanis und Pantecapes lebten die Scythae agri-colae (rewgyoi), die Ackerbauer, deren südlichere Stämme sichBorystheniten nannten, während die griechischen (Monisten dieserGegenden Ol biopoliten Messen, nach der Stadt Olbiopolis auf demrechten Bugufer nahe bei dessen Einmündung in den Dnjepr Liman. DieBewohner des Landes zwischen Hypanis und Tyras (Bug und Dnjestr)waren wegen ihrer Reitkunst berühmt und hiessen deshalb bei denGriechen Kalliniöat, die Gutberittenen, ihre nördlichen Nachbarnzwischen Bug und Dnjestr IIIci'Cwve^ (Lügner, Prahler) und die Bewohnerder Tyrasufer (Dnjestr) — Tyriten. Die Granitschicht, welche von denKarpathen sich tief in die heutige Steppe hineinzieht, durchschnitt dennördlichen Theil der Länder der Alazonen und der Tyriten und hiessExainpäos (der heilige Weg). Weiter westlich vom Dnjestr bis zuräussersten Grenze von Gross-Scythien war das Land dem Herodot nurwenig bekannt. Die Südwestgrenze von Gross-Scythien bildete Istriaoder I s t r u s an der Istermündung (Donaumündung, nahe dem heutigenKustendsche) und das Gebiet der an der Donau wohnenden Geten (s.§. 397), die nordwestliche das Karpathengebirge, welches bei den älterenGriechen noch Rhipae. Rhipeae oder Rhifeae hiess. Das jenseitsder Karpathen nach Norden gelegene Land war den Griechen fast un-bekannt," seine Bewohner verwandelte die Phantasie der Griechen inAgathyrsi (Goldgräber, Bergleute), Grypos (Wächter der Gold-gruben), einäugige Ariinaspen, von Geburt kahlköpfige Argippaei,ferner Issedonen, und im fernsten Norden in Hyperboreer (Glück-seligste, gleichsam der Welt Abgestorbene) und ähnliche Gestalten.
Aus dem inneren Scythien erhoben sich, bald nach Herodot, die amDnjepr aufwärts nach Nordwest wohnenden Neuri oder Nu ri (Zauberer,welche sich im Winter in Wölfe verwandeln sollten, d. h. Wolfspelzetrugen) und Hessen sich im Lande der Budiner (an dem nördlichenStrich des Guberniums Podolien) nieder. Nordwestlich derselben siedeltendie Griechen, die Thyssagetae und die Jyrcae an, welche in denWäldern des heutigen nordwestlichen Volhynien und nordöstlichenGallizien der Jagd oblagen. Aus der Thyssagetensteppe lässt Herodotfolgende Flüsse sich in den Budini sehen See (die Pinsk'schenSümpfe) ergiessen: den westlichen Tancius (Prypet), Si-rgis (Stür),Oaros (Horün) und Lykos (Slucz). Die nordwestlichen Nachbaren derThyssageten, die Neuri, hatten ihrerseits westlich neben sich die An-