57. Die Völker, gegen welche die Römer in dieser Periode Kriege führten. 199
getriebenen Westgothen unter ihrem Führer Fridigern, verheertenMösien und Thracien und besiegten in der blutigen Schlacht bei Adrianopel378 den Valens, welcher in derselben fiel. Sein Neffe, der weströmischeKaiser Gratian, ernannte ihren berühmten Feldherrn, den SpanierTheodosius zum Augustus und Regenten des östlichen Reichstheiles.Theodosius brachte die Westgothen zur Ruhe, und von dieser Zeit anstellten sie ein erhebliches Truppencontingent zu dem Heere des römi-schen Reiches. Aber nach seinem Tode fielen sie unter ihrem FührerAlarich in Italien ein, nahmen Rom (410) und würden daselbst einrömisch-germanisches Reich gegründet haben, wenn Alarich nicht ge-storben wäre. Alarich's Schwager Athaulf ging statt dessen nach Süd-Gallien und Hispanien, wurde aber in Barcelona ermordet (415). SeineNachfolger errichteten inmitten unaufhörlicher Kriege gegen die schonanwesenden Germanen und die Römer in Süd-Gallien und Nord-Hispanienein westgothisches Königreich. Bald führte dessen ungeheure Ausbrei-tung in Gallien zu seiner inneren Schwächung, die Westgothen hingendem arianischen, ketzerischen Irrglauben an und wurden dadurch denrechtgläubigen Nachkommen der römischen Ansiedler, welche sich mitRom gegen die arianischen Westgothen verbündeten, verhasst. Trotzdessen aber und trotz der Unruhen und Unordnungen, welche der unauf-hörliche Thronwechsel und der Streit der politischen Parteien hervorrief,dehnte sich das Reich der Westgothen in dem ersten Jahrhundert seinesBestehens (im 5. Jahrb.) immer mehr und mehr aus, namentlich südlichder Pyrenäen, wo die Sueven, Alemannen und Vandalen durch die West-gothen theils unterworfen, theils nach Afrika verdrängt wurden. Ihrfünfter König, Eurich (-166—483) machte nach dem gänzlichen Unter-gang des Weströmischen Reiches neue und noch grössere Eroberungenin Gallien und Hispanien und gab den Westgothen, welche bislang nurnach dem Herkommen regiert worden waren, geschriebene Gesetze. SeinNachfolger Alarich II. legte auch für seine römischen Unterthanen eineGesetzsammlung an, welche vorzugsweise aus dem Codex Theodosiusd. Gr. entnommen war.
§. 397.Die Daker.
Dacia hiess das Land, welches nördlich der unteren Donau lag; esumfasste die heutige Wallachei, Moldau, ßessarabien und Transsylvanien.Es zerfiel in das Ripensische, Alpische und mittlere Dacien.In demselben wohnte ein bald Daker (Dacier), bald Geten genanntesVolk; nach Strabo Messen die Theile dieses Volkes, welche an der obe-ren (oder mittleren) Donau den Germanen benachbart wohnten, die eigent-