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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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198 IV. "Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

an unter den Kaisern Decius, Gallienus und Claudius II. und nicht alleinzu Lande, sondern auch auf dem Schwarzen und Mittelländischen Meere,wobei ihnen die Nachbarschaft dieser Meere und ihre Erfahrung und Ge-schicklichkeit im Seewesen, die sie auf dem Baltischen Meere erworbenhatten, sehr zu statten kam. Im 4. Jahrh. erscheinen sie unter verschie-denen Namen in Folge ihrer Theilung in Stämme, nämlich : die an Donund Dnjestr lebenden unter dem Namen der Ostgothen, -Austro-g o t h e n oder Gr eu t un g en, die zwischen Dnjestr und Theiss leben-den unter dem Namen der Westgothen, Wisigothen oder Ther-wanger (Terwingen). Ausserdem gab es noch einen Stamm derselbenunter dem Namen Mösogothen*) oder kleine Gothön, welche sichvor den übrigen durch ihre Bildung auszeichneten, und deren BischofWulfilas oder IJlfilas um 360 n. Chr. die heilige Schrift in diegothische Sprache übersetzte.

Ost- und Westgothen hatten ihre eigenen Konunge, Könige, welchesie wählten, die Ersteren aus dem Geschlecht der Amaler, die An-deren aus dem der Balten. In diesem Zustande der Trennung verbliebensie bis zur Zeit des ostgothischen Königs E r in anrieh, der um die Mittedes 4. Jahrh. alle östlichen Stämme zu einer grossen und mächtigenMonarchie vereinigte, welche sich vom Baltischen bis zum SchwarzenMeere ausdehnte. Aber der Einfall der Hunnen (s. unten §. 402) unterder Führung von V a 1 a m i r e s im J. 375 zerstörte die gothische Monarchiedes Er man rieh und trennte aufs Neue und für immer die Ostgothenvon den AVestgothen. Die Ersteren, von den Hunnen unterworfen, wur-den von deren Führer oder König Attila zu den Einfällen nach Ger-manien , Gallien und Italien mitgenommen (444453). Der Untergangdes Eeiches Attila's und der Hunnen im J. 453 gab den Ostgothen ihreUnabhängigkeit zurück, sie begannen in die Grenzen des OströmischenReiches einzufallen und zwangen im J. 473 den Kaiser Leo I. zur Ent-richtung eines Tributes und Abtretung weiter Ländergebiete an derunteren Donau. In der Folge (494) übersiedelte ihr berühmter KönigTheodorich I. d. Gr. mit seinem ganzen Volke nach Italien, das erdem König Odoaker entriss. Die Westgothen dagegen hatten nach derUnterwerfung der Ostgothen durch die Hunnen sich in die Karpathenzurückgezogen und erhielten vom Kaiser Valens die Erlaubniss, sich indem verwüsteten Mösien niederzulassen. Valens aber, der bald bereute,dass er sie auf römischem Gebiete hatte ansiedeln lassen, schenkte baldihren Klagen über die Bedrückungen der römischen Statthalter und Be-amten kein Gehör mehr, namentlich zur Zeit einer furchtbaren in Mösienausgebrochenen Hungersnoth. Nun erhoben sich die zur Verzweiflung

*) Weil sie in Mösien ansässig waren. Anmerk. d. Uebers.