200 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
liehenDaker, —Geten dagegen die Stämme, welche nahe dem SchwarzenMeere wohnten; beide sprachen dieselbe Sprache. Neuere Forschungenhaben festgestellt, dass diese Getae, Henetae, Enetae identischseien mit den Anden, Wanden, Wenden oder Venedi, welche um's7. Jahrh. in demselben Lande lebten, und welche Slowenen oder Sla-wen waren, was durch viele Eigennamen der Fürsten, Anführer, Städte,Seen und Flüsse in dem Lande der Daker und Geten bestätigt wird. Manmuss also die Ur- oder Stammeinwohner der an der Donau gelegenenLänder zu den Slawen rechnen, welche nur unter anderem Namen schonden Griechen zu Homer's Zeit bekannt waren (s. unten §. 401). Zugleichaber muss mau zugeben, dass zwischen ihnen auch viele kleine fremdeStämme von anderen Völkern, namentlich gallischen oder keltischen,wohnten, welche wohl bisweilen und zeitenweise mächtiger wurden, unddenen die Römer gleichfalls nach dem von ihnen bewohnten Lande denNamen Daker oder Geten beilegten. Schon zu Domitian's Zeiten (81—96)fingen die Einfälle der Daker in römisches Gebiet an, und unter der Füh-rung ihres tapfern Königs Decebalus zwangen sie sogar den Domitianzur Zahlung von Tribut an sie. Trajan, der sie angriff, befreite nicht ,allein das Reich von diesem schimpflichen Tribute, sondern zwang sogarden Decebalus zur Unterwerfung (101 —103), — nach dessen Aufstandaber verwandelte er Dacien in eine römische Provinz und legte daselbströmische Colonien an (105—106), in Folge dessen sich die Sitten, Ge-bräuche und hauptsächlich die Sprache der Römer daselbst ausbreitetenund lange erhielten (die Sprache lebt zum grossen Theil noch in der heu-tigen Sprache der Rumänen fort, was Römer bedeutet, — wie ihrLand auf Rumänisch »Zara ruminjascav-, d. h. terra romemesca,Römerland, heisst). Unter Marc Aurel (161—168) begann von Nordenund Osten her auf die Daker der Druck der Bastaruen, Alanen undanderer Völker, welche ihrerseits von Völkern aus dem Norden, nament-lich den Gothen, gedrängt wurden. Unter ihrem Andränge fingen dieDaker nun ihrerseits an gegen die römischen Grenzen zu drücken undführten mit den Sarmaten zusammen häufige Kriege gegen die Römer.So ging es bis zum J. 250 fort, wo die Gothen Dacien verheerten undunterwarfen, welchen Aurelian es dann (270—275) überliess, so dass esnun in den Verband des westgothischen Donau - Königreichs (s. oben§. 396) gehörte.
§. 398.Die Vandalen.
Die Vandalen (Vandali, Vindili), ein Volk germanischer Abstam-mung, wie die Gothen, aber gemischt, wie es scheint mit den Wenden,