57. Die Völker, gegen welche die Römer in dieser Periode Kriege führten. 197
seinerseits durch die Ostgotken unter der Anführung ihres Königs Theo -dorich zerstört wurde.
Was das allgemeine Leben und das Kriegswesen der Germanen im4. und 5. Jahrh. n. Chr. anbelangt, so wird später seines Ortes ausführ-lich davon die Rede sein in der Zeitperiode, wo die Germanen ihre neuenStaaten auf deu Ruinen des Weströmischen Reiches grüudeten. Hier ge-nügt die Bemerkung, dass aus dem fortgesetzten Zusammenstossen undendlichen Zusammenschmelzen der germanischen Welt mit der römi-schen im Verlaufe der ersten 5 Jahrhunderte n. Chr. sich eine so zu sagenUebergangswelt, eine gemischte römisch-germanische bildete, inwelcher noch vfel Römisches, noch mehr aber Germanisches war, sowohlin Bezug auf das öffentliche wie auf das Kriegswesen. So hatten speziellhinsichtlich des letzteren die germanischen Völker schon sehr viel vonden Römern entlehnt, aus deren Kriegsorganisation, Bewaffnung, Auf-stellung, Kampfart und Kriegskunst überhaupt, wenn auch in jenemZustande ihres Verfalls, wie er oben geschildert wurde, — und aus dieserMischung bildeten sich in West-Europa die ersten Anlange einer neuenKriegsorganisation uud Kriegskunst.
§. 396.Die Gothen.
Die Gothi oder Goten (Gothones, Guthones, Gythones),ein Volk germanischer Abstammung, lebten nach der Angabe der Histo-riker Cassiodor, Jornandes und Anderer, wie nach ihren eigenenUeberlieferuugen ursprünglich an den Ufern der Weichsel und Oder undauf der skandinavischen Halbinsel (wo ja noch heute ein Theil vonSchweden den Namen Gothland führt). Bis zur Zeit der römischenAntonine (90—180 n. Chr.) verblieben sie in diesen ihren ersten Wohn-sitzen. Bald danach aber, wie man mit Wahrscheinlichkeit annehmenkann, in der ersten Hälfte des 3. Jahrb., begannen sie aus dem NordenEuropas nach dem Süden auszuwandern an die untere Donau und dienördlichen Ufer des Schwarzen Meeres. Auf ihrem Wege andere Völker(vorzugsweise slawischen Stammes, s. unten §. -101) mit sich fortreissend,wuchs ihre Macht so an, dass, als sie zuerst im J. 215 an der unterenDonau erschienen, sie schon für Alexander Severus (222—235) sehr ge-fährliche Nachbarn des römischen Daciens wurden. In den fruchtbarenGegenden des heutigen Süd-Russlands angesiedelt, begannen sie, ge-trieben von einem unversöhnlichem Hasse gegen die Römer, dessen Ur-sprung ihre Traditionen schon bis in Odin's Zeiten hinauf verlegen, mitunablässigen Angriffen auf die Grenzen der römischen Donauprovinzen.Diese Einfälle nahmen einen besonders heftigen und drohenden Charakter