196 IV. Von Auguatus bis zum Untergang dos Weströmischen Reiches.
Im südlichen Germanien gab es nur Auswanderer aus dem Norden,
welche, mit den Urvölkern vermischt, später einige mächtige Völkerbunde
bildeten, wie z. B. die Quaden (d. h. Bösen), die Marcomannen
(d. h. Grenz- oder Mark-Bewohner), die von ihnen abstammenden Bo-
jovarier, Hermunduren u. s. w.
Zum ersten Male in der Geschichte treten die Germanen auf bei demEinfall der Cimbren und Teutonen zu Ende des 2. Jahrb. v. Chr.(113—101) in Gallien und Italien, welchem ihre Vernichtung durch Ma-rias ein Ende machte. Danach griffen die Germanen die römische Re-publik nicht wieder an, sie waren aber für die Römer schon so bedrohlich,dass selbst Julius Cäsar, der zwei Mal auf das rechte Rheinufer überging,nicht tiefer in Germanien einzudringen oder sich daselbst festzusetzenwagte. Erst unter Augustus unterwarfen Drusus, Tiberius und Germani-cus einen Theil des westlichen am Rhein und des südlichen an der Donaugelegenen Germaniens. Hermann oder Arminius befreite das Erstere füreinige Zeit, in dem 2. Jahrb. aber gründete Marbod den starken Marcoman-nenbund. Allein bis zum 3. Jahrb. n. Chr. griffen die Römer noch immerbald schwächer, bald stärker die Germanen an; vom 3. Jahrh. dagegenändert sich die Situation, und die Germanen beginnen immer stärker undheftiger auf die Römer vorzudrängen, zuerst an den Grenzen, dann mehrund mehr ins Innere des römischen Reiches. Einzelne kriegerische ge-schickte Imperatoren und Feldherren setzten den Einfüllen der Germanen,wenn auch immer nur für kurze Zeit, eine Schranke, dann aber wieder-holten sich diese Einfälle mit verdoppelter und unwidersteblicher Gewaltund führten zur Eroberung von Britannien, Nord-Gallien und dem römi-schen Germanien durch die grossen germanischen Völkerbündnisse, anderen Spitze die Sachsen, Franken und Alemannen standen, inPannonien dagegen durch die Vandalen und Alanen. Endlich im5. Jahrh. erfolgte eine allgemeine Völkerwanderung aus Ost- nach West-und aus Nord- nach Süd-Europa, und nun brachen die Germanen, ihrer-seits im Osten und Norden von neuen Ankömmlingen gedrängt, unauf-haltsam in das Weströmische Reich ein und eroberten dessen sämmtlicheausseritalienische Besitzungen. Die Vandalen (s. unten §. 398) verheertenSüd-Gallien, unterwarfen Hispanien und gingen von dort nach Afrikaüber, wo sie ihr neucarthagisches Reich gründeten (im J. 427).Gleich darnach brachen schon die Westgothen unter Führung ihres Ko-nung oder König Alaricb in Italien selbst ein, plünderten Rom undfolgten dann den Vandalen nach Süd-Gallien und Hispanien. Endlichzerstörte Odoaker, der König und Anführer der Heruler und anderergermanischer und fremder Barbaren die letzten Reste des WeströmischenReiches in Italien und gründete auf dessen Trümmern sein neues itali-sches Königreich (im J. 476), welches 18 Jahre nachher (im J. 494)