188 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Schmeichler und Leute, welche von höfischen Intriguen und Bänkenlehten. Die natürliche Folge davon war: unruhige unersättliche Ehr-liebe, niedrige Kabalen, zahllose Missbräuche, Ungerechtigkeiten, Miss-vergnügen, Unordnungen und Verwirrung im Heere u. s. w.
Die militärische Verwaltung war seit Diocletian und besonders seitConstantin d. Gr. in eine Menge von Verwaltungsbehörden und Personengetheilt, welche einander unterstellt waren und sich in den höchsten Spe-zialverwaltungen concentrirten, denen unter der allerhöchsten Gewaltdes Kaisers die ausgewähltesten höchsten militärischen Würdenträgervorstanden. So gab es für die Bewaffnung des Heeres eine besondereVerwaltungsbehörde, welche für die Anfertigung, Ausbesserung, Auf-bewahrung und Verausgabung der dem Staate gehörigen Waffen, Ge-schütze, Kriegsmaschinen u. s. w., und für alle Staatskriegsvorräthe;Magazine, Arsenale u. s. w. in Born, Constantinopel, den Provinzial-städten, den ständigen Grenzlagern und Festungen, und bei den Feld-armeen Sorge zu tragen hatte. Die Waffen- und Maschinenvorräthe und Ma-gazine standen unter der Aufsicht besonderer Aufseher, und alle überhauptunter der oberen Controlle eines besonderen praefectus fabrorum (Ober-ingenieur, Zeugmeister). Waffen zu schmieden war einzelnen Personenuntersagt, sie durften auch überhaupt nur nach den Mustern der Staats-fabriken gefertigt werden, ebenso war es verboten Waffen und Metallean die Barbaren zu geben (welche aber dessen ungeachtet dieselben aufalle Weise erlangten, entweder im Kampfe, oder als Kriegsbeute, oderfür Geld; auch litten sie niemals daran Mangel, sondern erlangten davonimmer mehr und mehr). Diocletian und Constantin d. Gr. vermindertenden Sold des Heeres um Etwas und beschränkten zugleich damit denLuxus im Heere. Aber nach ihnen ging Beides wieder allmälig in dieHöhe, und erreichte in der letzten Zeit im 5. Jahrh. eine solche Höhe,dass z. B. jeder der höchsten Führer für den Krieg 200 Diener und150 Pferde erhielt.
Die Unterhaltungskosten des Heeres schränkte Constantin iL Gr. einwenig ein, indem er die ungeheuren Summen verringerte, welche dieOffiziere, besonders die höheren, empfingen, und die Geldausgaben durchNaturalleistungen ersetzte. Nach ihm aber nahm Alles wieder diefrüheren und sogar noch grössere Dimensionen an.
Bagage und Train bei den Armeen hatte sich an Zahl ausserordent-lich vermehrt, sowohl dadurch. dass die Lebensmittel und schliesslichsogar die Waffen und das Gepäck der Soldaten nicht mehr von diesenselbst getragen, sondern auf Fahrzeuge und Lastthiere geladen wurden,als auch durch den ausserordentlichen Luxus der Offiziere, namentlichder höchsten.